Bei den schwersten Gefechten auf den Golanhöhen seit fast einem Jahrzehnt sind drei Soldaten getötet worden. Ein spanischer Blauhelm-Soldat starb bei israelischen Angriffen auf den Südlibanon. Es handelte sich um Vergeltungsschläge der israelischen Armee, die auf den Beschuss eines Militärfahrzeugs reagiert hatte. Dieses war nahe der Grenze zum Libanon von einer Panzerabwehrrakete der Hisbollah getroffen worden. Zwei Soldaten wurden bei den Angriff getötet, sieben weitere wurden verletzt. Mitglieder der israelischen Regierung und Opposition forderten einen harten Gegenschlag.

Wie das Madrider Außenministerium bestätigte, handelt es sich bei dem getöteten UN-Soldaten um einen Gefreiten der spanischen Armee. Die israelischen Stellen hätten der spanischen Regierung ihr Beileid ausgesprochen und um Entschuldigung gebeten, sagte Außenminister José Manuel García-Margallo in Madrid. Spanien dringe darauf, dass die Untersuchung von den Vereinten Nationen geführt werde. Die UN-Sonderkoordinatorin, Sigrid Kaag, äußerte sich besorgt über die Lage im Grenzgebiet. Sie forderte alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Am Vormittag war ein Militärfahrzeug der israelischen Armee unweit des Ortes Har Dov von einer Panzerabwehrrakete getroffen. Die israelische Nachrichtenseite ynet hatte zunächst von vier verletzten Soldaten berichtet. Andere Quellen sprachen von sechs Verletzten. Auch israelische Militärstützpunkte nahe Har Dov und Hermon seien den Angaben zufolge von militanten Libanesen angegriffen worden.

Das Skigebiet rund um den Berg Hermon wurde evakuiert, die Flughäfen Haifa und Rosch Pina geschlossen. Anwohner wurden Medienberichten zufolge aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. 

Hisbollah bekennt sich zu Angriff

Die libanesische Hisbollah-Miliz erklärte in Beirut, sie habe den Angriff geplant und ausgeführt. Mehrere Wagen seien zerstört worden, "in den aus Offizieren und Soldaten bestehenden feindlichen Reihen hat es Opfer gegeben", hieß es in einer Mitteilung des Islamischen Widerstands, dem militärischen Arm der schiitischen Hisbollah.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte nach dem Angriff der Hisbollah mit heftiger Gegenwehr gedroht und erinnerte an das israelische Vorgehen während des Gazakriegs im vergangenen Sommer. "Die (radikalislamische) Hamas hat im letzten Sommer den härtesten Schlag seit ihrer Gründung erlitten und die israelische Armee ist darauf vorbereitet, an allen Fronten mit aller Macht vorzugehen", sagte Netanjahu.

Die Behörden im Libanon erklärten, Israel hätte am Vormittag 25 Granaten in den Libanon geschossen. Ziel seien drei Dörfer in der Nähe der Scheeba-Farmen gewesen. Israelische Helikopter sollen über dem Gebiet kreisen.

Hisbollah und Iran drohen Israel mit Vergeltung

Die Zugehörigkeit der Scheeba-Farmen ist zwischen Israel, Syrien und dem Libanon seit Jahren umstritten. Rechtlich gehört die Gegend zu Syrien, praktisch hat Israel die Kontrolle darüber. Seit einem Luftangriff vor zehn Tagen sind Israels Streitkräfte dort wieder in erhöhter Alarmbereitschaft. Bei dem Angriff, der Israel zugeschrieben wird, waren am 18. Januar ein iranischer General und mindestens sechs Kämpfer der Hisbollah getötet worden. Der Iran drohte Israel mit "verheerenden Blitzschlägen". Auch die Hisbollah wollte Vergeltung üben.

Am Dienstag waren aus Syrien abgefeuerte Raketen in den 1967 von Israel eroberten Golanhöhen eingeschlagen. Das israelische Militär reagierte kurz darauf mit heftigem Artilleriebeschuss auf Positionen der syrischen Seite. Israels Armeesprecher Peter Lerner sagte, die syrische Regierung werde für jeden Angriff zur Rechenschaft gezogen, der aus ihrem Land erfolge. Es war aber unklar, ob die Geschosse aus Syrien absichtlich abgefeuert oder fehlgeleitet waren.  

Israel sucht in Grenzregion nach Tunneln

Israel hat seine Truppen an den Grenzen deutlich verstärkt. Mit Angriffen von Seiten der Hisbollah und dem Iran wird gerechnet. Der Einsatz des Raketenabwehrsystems Iron Dome entlang der Grenze zum Libanon und zu Syrien wurde verstärkt und die Überwachung in der Gegend erhöht. 

Die israelische Armee hat außerdem damit begonnen, das Grenzgebiet nach möglichen Tunneln zum Libanon abzusuchen. Israelische Medien berichteten, die Armee stelle Bohrungen nahe des Ortes Zarit an, nachdem Anwohner in den vergangenen Monaten verdächtige Geräusche gemeldet hatten. Eine Armeesprecherin bestätigte, man gehe den Hinweisen nach.