Italien bereitet sich auf die schwierige Wahl eines neuen Präsidenten vor. Staatschef Giorgio Napolitano ist offiziell zurückgetreten. Der 89-Jährige legt das Amt aus Altersgründen nieder. "Ich freue mich, nach Hause zurückzukehren. Es geht einem gut hier, es ist alles sehr schön. Aber es ist ein wenig wie im Gefängnis", sagte Napolitano zu seinem bevorstehenden Auszug aus dem Quirinalspalast in Rom. "Zuhause werde ich zufrieden sein und spazieren gehen", sagte der beliebte Präsident, der seit fast neun Jahren im Amt ist.

Der Schritt kommt nicht überraschend: Ministerpräsident Matteo Renzi hatte am Dienstag in Straßburg bei seiner Abschlussrede zur EU-Ratspräsidentschaft Italiens angekündigt, Napolitano werde "in wenigen Stunden" zurücktreten. Auch hatte Napolitano bereits während seiner Neujahrsansprache bekannt gegeben, dass er gehen werde. Zwar nannte er damals kein konkretes Datum, doch Renzis Rede in Straßburg war immer als möglicher Zeitpunkt genannt worden.

Renzi würdigte Napolitano in seiner Rede als "überzeugten Europäer". Er habe "einen langen Weg des Wandels abgeschlossen und ist den Schwierigkeiten in Italien mit Intelligenz und Weisheit begegnet."

Keine Frist für Wahl des Nachfolgers

Regierungschef Renzi steht nun unter Druck, seine sozialdemokratische Partei hinter sich zu bringen und schnell einen mehrheitsfähigen Kandidaten zu präsentieren. Denn befürchtet wird, dass die Präsidentenwahl das Land erneut lahmlegt. Oft wurde eine Präsidentenwahl in Italien für interne Machtkämpfe der Parteien benutzt und zog sich somit in die Länge. Napolitano war bereits 2013 nur deshalb noch einmal angetreten, weil zwei Kandidaten vor ihm bei einer turbulenten Wahl gescheitert waren.

Nach dem Rücktritt Napolitanos hat das Parlament zwei Wochen Zeit, um zur Wahl eines Nachfolgers zusammenzukommen. Bis ein neues Staatsoberhaupt gefunden ist, übernimmt Senatspräsident Pietro Grasso die Funktion. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Präsident gewählt werden muss. Erwartet wird aber, dass bis Ende Februar ein neues Staatsoberhaupt gefunden ist.  

Möglicher Nachfolger ist Romano Prodi

Zwischen den Parteien haben die Verhandlungen über einen Nachfolger bereits begonnen. Namen möglicher Kandidaten kursieren seit Wochen: So werden etwa der zweimalige ehemalige Ministerpräsident Romano Prodi, der Ex-Regierungschef Massimo D'Alema oder Roms ehemaliger Bürgermeister Walter Veltroni als mögliche Nachfolger gehandelt.

In Italien haben Präsidenten vor allem repräsentative Aufgaben. Aber sie haben auch die Macht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Sie können zudem ein Veto bei Gesetzen einlegen, die sie für verfassungswidrig halten.