Eigentlich wollten sie ihre Namen nie in den Medien lesen, die beiden Franzosen, die #JeSuisCharlie erfanden: Thierry Puget, der als erster das Hashtag nutzte, und Joachim Roncin, der dazu das Bild mit den drei Worten weiß auf schwarz machte.

"Es lag einfach in der Luft", sagte Puget ZEIT ONLINE. Am Mittwoch vergangener Woche hörte er beim Arbeiten im Radio die Nachricht vom Terroranschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo und suchte nach einem Ausdruck für sein Entsetzen. "Es fühlte sich so an, als sei es ein Anschlag auf mich gewesen", sagt er.  

Dass das Hashtag entstand, sei aber nur Zufall gewesen: "Hätte ich es nicht gepostet, hätte Joachim es nicht getan, hätte es ein anderer gemacht." Ähnlich bescheiden hatte sich sein Bekannter Roncin zuvor gegenüber anderen Medien geäußert. #JeSuisCharlie sollte allen gehören; die Urheberschaft sei nicht wichtig. Puget und Roncin wollen keine Helden sein. "Lassen wir unser Ego im Schrank", sagt Puget.

Das Hashtag und das entsprechende Bild haben seit dem Attentat in Paris Rekorde gebrochen. Drei Tage nach dem ersten Posting zählte Twitter fünf Millionen mal das Hashtag. Auf unzähligen Demonstrationen wurden Plakate mit dem Slogan hochgehalten, im Internet erschienen Übersetzungen in allen Sprachen und unzählige Variationen: #JeSuisJuif in Gedenken an die Opfer des Anschlags im jüdischen Supermarkt in Paris, #JeSuisAhmed in Gedenken an den in Paris ermordeten Polizisten. Weltweit ist der Slogan als Zeichen gegen Terror im Umlauf.  

Doch diesen Erfolg wollen manche nun anders nutzen. Auf Kaffeetassen, Brillenetuis und Jutebeutel soll #JeSuisCharlie gedruckt werden – zum Verkauf. Mehr als 50 Anträge auf Markenschutz sind bis zum Dienstag beim französischen Patentamt INPI eingegangen.

"Entsetzlich", sagt Roncin dazu, und Puget: "Ich bin wie Joachim dagegen." Der Hashtag sei bislang in den allermeisten Fällen in seinem Sinne verwendet worden, sagt Puget: "Die Idee, die ich von Charlie hatte, bezog sich nicht nur auf Charlie Hebdo, sondern auf uns alle." Undenkbar, das zu kommerzialisieren.

Plötzlich bekam die Urheberschaft doch eine Bedeutung: um die Kommerzialisierung zu verhindern. Schließlich kann ein Markenschutz zum Beispiel dann verweigert werden, wenn  die Marke jemand anderem gehört. Roncin wandte sich an Twitter, um zu bekräftigen, dass er der Urheber des Bildes ist. Puget schrieb persönlich an verschiedene Politiker bis hin zum französischen Präsidenten François Hollande, um zu verhindern, dass sein Hashtag #JeSuisCharlie als Marke eingetragen wird.

"Für mich lag in #JeSuisCharlie das ganze menschliche Elend", beschreibt Puget den Moment, in dem er es vor einer Woche zum ersten Mal postete. "Das Mädchen, das in Mali entführt wurde, die enthauptete Geisel, der junge Amerikaner, der wegen seiner Hautfarbe getötet wurde... Charlie, das war ich, das wart ihr, das waren wir alle."

Am Dienstagabend hat das französische Patentamt entschieden, keine Anträge auf die Marke #JeSuisCharlie anzunehmen. "Je suis Charlie gehört von nun an allen", erklärte es dazu. Es sei genauso wie mit den Worten Apfel oder Birne, die auch nicht als Marke geschützt werden könnten.

"Immerhin eine gute Nachricht", sagt Puget.