Bewaffnete haben ein Luxushotel in der libyschen Hauptstadt Tripolis attackiert und mehrere Menschen getötet. Beim Sturm auf das bei Ausländern beliebte Hotel Corinthia seien mindestens fünf Gäste ums Leben gekommen, auch seien mindestens drei Wachleute gestorben. Das teilte der Chef der Spezial-Abwehr-Einheit, Mahmud Hamsa, im Privatsender Al-Nabaa mit. Die Situation sei "unter Kontrolle", und es gebe keine Geiseln mehr im Hotel. Allerdings konnte der Sicherheitsbeamte nicht sagen, wo die bewaffneten Männer waren. Ein anderer Sicherheitsbeamter hatte berichtet, im Hotel seien Geiseln genommen worden, er konnte aber keine näheren Angaben zu ihrer Identität machen.

Ein Angestellter des am Mittelmeer gelegenen Hotels berichtete, fünf vermummte Angreifer mit kugelsicheren Westen hätten das Gebäude gestürmt, nachdem Sicherheitsleute an den Toren versucht hätten, sie aufzuhalten. Die Attentäter hätten in der Lobby wahllos auf Mitarbeiter geschossen. Angestellte und ausländische Gäste seien über die Hintertüren des Hotels auf den Parkplatz geflüchtet. Als sie dort eingetroffen seien, sei nur 100 Meter entfernt eine Autobombe explodiert, sagte der Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Wegen Sicherheitsbedenken wurden zwei Bürohochhäuser in der Nähe evakuiert.

Medien berichteten, vor dem Hotel sei zuerst eine Autobombe explodiert, dann erst seien die Angreifer in die Lobby gerannt und hätten dort um sich geschossen.

Wer für den Angriff verantwortlich ist, blieb zunächst unklar. Das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site teilte mit, Kämpfer der Dschihadistenorganisation in Libyen hätten sich zu dem Anschlag bekannt. Der IS-Arm in Tripolis habe in einer Botschaft auf Twitter erklärt, dass seine Mitglieder das Hotel erstürmt hätten. Der Miliz hatte im vergangenen Oktober eine im ostlibyschen Derna ansässige Terrorgruppe die Treue geschworen. 

Das Hotel habe italienische, britische und türkische Gäste, sei aber zum Zeitpunkt des Angriffs weitgehend leer gewesen, sagte ein anderer Mitarbeiter. Der Ministerpräsident der international nicht anerkannten Regierung, Omar al-Hassi, wohnt normalerweise in dem Hotel. Er sei zum Zeitpunkt des Angriffs jedoch nicht dort gewesen, hieß es.

Das Hotel war 2013 schon einmal angegriffen worden. Damals wurde dort ein ehemaliger Ministerpräsident entführt. Im Corinthia wurden in der Vergangenheit häufig Diplomaten untergebracht. Seit eine islamistische Regierung in Tripolis regiert, hat die Bedeutung des Hotels nachgelassen.

Die Sicherheitslage in Tripolis ist seit Monaten gespannt. Immer wieder gibt es Bombenanschläge und Schießereien. Seit dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 erlebt Libyen einen Verfall der staatlichen Ordnung. Derzeit hat es zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente, die jeweils von unterschiedlichen Milizen gestützt werden.