Die Bundesregierung hat Russland eine Wirtschaftskooperation bis hin zur gemeinsamen Freihandelszone mit der EU in Aussicht gestellt. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, habe Merkel in Davos angeboten,  über einen gemeinsamen Wirtschaftsraum mit der von Russland dominierten Eurasischen Union zu verhandeln.  Zur Voraussetzung habe Merkel eine umfassende Friedenslösung in der Ostukraine gemacht.

Auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) habe eine Diskussion in der EU darüber angeregt, was man Russland für die Zeit nach dem Krieg anbieten könne. Der nächste Schritt sei eine Diskussion über eine Freihandelszone. "Wir sollten Russland einen Ausweg anbieten", sagte er in Davos.

Bei einem Außenministertreffen am Mittwochabend in Berlin hatte es erstmals seit Monaten wieder Fortschritte gegeben. Die Außenminister Russlands und der Ukraine, Sergej Lawrow und Pawlo Klimkin, verständigten sich auf den Abzug schwerer Waffen aus der Krisenzone. Allerdings gab es auch am Donnerstag wieder Tote bei Gefechten in Donezk. Bei dem Beschuss eines Busses in Donezk waren zwölf Insassen und ein Fahrer getötet worden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den Angriff  scharf verurteilt. Er sei schockiert angesichts der Gewalt und der unschuldigen Opfer, erklärte Steinmeier. Unter den Konfliktparteien in der Ukraine-Krise gebe es offenbar starke und skrupellose Gruppen, die kein Interesse an Deeskalation und einem Ende der Gewalt hätten.

Weniger Ausfuhren nach Russland

Unterdessen beklagt die deutsche Wirtschaft angesichts der Sanktionen einen Rückgang der Exporte nach Russland. Der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, geht davon aus, dass die deutschen Ausfuhren nach Russland im Jahr 2014 um 18 Prozent gesunken sind. Das seien umgerechnet mehr als sechs Milliarden Euro, sagte Cordes der Rheinischen Post. "Der Rückgang der Exporte hat sich zuletzt Monat für Monat beschleunigt, sodass wir für 2015 eine noch schlechtere Entwicklung befürchten müssen, sollte es nicht bald eine politische Lösung der Krise geben", sagte Cordes. 

Er beklagte, dass es vor allem die Europäer seien, die den wirtschaftlichen Preis für die politische Krise zahlen würden. Demnach nimmt der Handel Russlands mit asiatischen und lateinamerikanischen Partnern zu. Selbst US-Exporte seien im vergangenen Jahr um ein Prozent gestiegen.

Cordes sieht durch die Krise Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet: "Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland rund 300.000 Arbeitsplätze allein von Exportgeschäften mit russischen Partnern abhängen, so könnte ein dauerhafter 20-prozentiger Rückgang im schlimmsten Fall zum Verlust von 60.000 Arbeitsplätzen führen."