Sergio Mattarella ist Italiens neues Staatsoberhaupt. Der 73 Jahre alte Verfassungsrichter erhielt im vierten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit der Stimmen des Wahlgremiums. Damit konnte Regierungschef Matteo Renzi wie erhofft den Kandidaten seiner Demokratischen Partei (PD) durchbringen.

Mattarella erhielt mehr als die 505 notwendigen Stimmen der insgesamt 1009 wahlberechtigten Abgeordneten, Senatoren und Vertreter der Regionen. Seine Wahl wurde mit langem Applaus bedacht.

Zuvor hatten neben Renzis PD auch einige kleinere Parteien sowie sein Koalitionspartner Nuovo Centrodestra (NCD) um Innenminister Angelino Alfano ihre Unterstützung zugesagt. Mit der Wahl Mattarellas verärgerte Renzi allerdings Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, mit dem er sich zur Umsetzung großer Reformvorhaben wie der Wahlrechtsreform zusammengetan hatte. Schließlich war der frühere Minister Mattarella aus der Christdemokratischen Partei ausgetreten, weil diese seiner Ansicht nach Berlusconi zu nahe stand.

Ursprünglich hatte Berlusconi sich bereit erklärt, einen Kandidaten des Mitte-links-Lagers von Renzi mitzutragen. Nach der Nominierung von Mattarella sagte er nach Angaben aus seinem Umfeld aber, er fühle sich verraten. Die Abstimmungsberechtigten von Berlusconis Forza Italia wurden aufgerufen, auch im vierten Wahlgang leere Stimmzettel abzugeben.

Mattarella ist Nachfolger von Giorgio Napolitano und der zwölfte Präsident Italiens. Erwartet wird, dass er am Montag oder Dienstag den Amtseid ablegt und eine Rede vor dem Parlament hält.