Das Moskauer Verfassungsgericht hat die Auflösung der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial abgelehnt. Es habe einen entsprechenden Antrag des Justizministeriums zurückgewiesen, sagte Richterin Alla Nasarowa.

Vertreter der ältesten und größten Nichtregierungsorganisation Russlands feierten das Urteil als Erfolg. Der Memorial-Verantwortliche Jan Ratschinski sprach von einem Sieg des "gesunden Menschenverstands". Sein Kollege Oleg Orlow führte die Gerichtsentscheidung auf die "sehr breite Unterstützung aus der Gesellschaft" zurück.

Auch die Menschenrechtsbeauftragte des Kremls, Ella Pamfilowa, äußerte sich "sehr zufrieden" über das Urteil. "Ich hoffe, dass die älteste Menschenrechtsorganisation Russlands ihre Arbeit fortsetzen wird", sagte sie der Nachrichtenagentur Interfax.

Das Justizministerium hatte sein Vorgehen gegen Memorial mit der Organisationsstruktur der Gruppe begründet. Unter deren Dach hatten sich etwa 50 Teilorganisationen zusammengeschlossen. Inzwischen zentralisierte Memorial aber seine Struktur. Das Justizministerium räumte ein, dass die Organisation der Gruppe nun den gesetzlichen Vorgaben entspreche, zog seinen Antrag aber nicht zurück, sondern ließ das Gericht entscheiden. 

Memorial war 1989 von Dissidenten wie dem Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow mit dem Ziel gegründet worden, die Erinnerung an die Opfer sowjetischer Unterdrückung wachzuhalten. Memorial listet Verbrechen auf, die im Namen der Sowjetunion (UdSSR) begangen wurden und wacht über die Einhaltung der Menschenrechte.