König Abdullah von Saudi-Arabien ist tot. Das berichtete das nationale Fernsehen am frühen Freitagmorgen. Abdullah war vor wenigen Wochen mit einer Lungeninfektion ins Krankenhaus gebracht worden, wo er zeitweise über einen Schlauch beatmet wurde. 

Das genaue Alter von Abdullah ist nicht bekannt. Er soll nach unterschiedlichen Angaben im August 1923 oder 1924 zur Welt gekommen sein und wäre demnach 91 oder 90 Jahre alt. Erst mit mehr als 80 Jahren hatte er im August 2005 nach dem Tod von König Fahd den Thron bestiegen. De facto führte er das weltgrößte Erdöl-Exportland aber bereits seit 1995, nachdem sein Vorgänger einen Schlaganfall erlitten hatte.

Sein Halbbruder, Kronprinz Salman, soll nach offiziellen Angaben bereits die Nachfolge angetreten haben. Der heute 79-Jährige hatte im vergangenen Jahr zunehmend die Pflichten des kranken Königs übernommen. Seit 2011 war er Verteidigungsminister seines Landes und damit Chef des saudischen Militärs. Er verfügt über rund 50 Jahre diplomatischer Erfahrung. In den 1960er Jahren wurde er zum Gouverneur der Provinz Riad ernannt. Salman ist zudem bekannt als Vermittler innerhalb der großen königlichen Herrscherfamilie. Es wird davon ausgegangen, dass er Abdullahs Politik im Kern fortsetzen wird. Gesundheitlich ist er angeschlagen. Nach einem Schlaganfall kann er seinen linken Arm nur noch sehr eingeschränkt bewegen.

Mächtiger Alliierter der USA

König Abdullah bin Abdul Asis al-Saud war gleichzeitig Staats- und Regierungschef von Saudi-Arabien. Er galt als wichtiger Alliierter der USA im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida. US-Präsident Barack Obama lobte den verstorbenen König als aufrichtigen und mutigen Führer: "Die Nähe und Stärke der Partnerschaft zwischen unseren zwei Ländern ist Teil von König Abdullahs Vermächtnis." Er habe an die Wichtigkeit der amerikanisch-saudischen Beziehungen als Kraft für Stabilität und Sicherheit im Nahen Osten und darüber hinaus geglaubt.  

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Abdullah als Mann, "dessen Arbeit die Geschichte seines Landes zutiefst geprägt" habe. In einer vom Élysée verbreiteten Erklärung lobte Hollande zudem Abdullahs "Vision eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen Osten".

Bis zuletzt bemühte Abdullah sich um eine Modernisierung des ultrakonservativen muslimischen Königreichs. Er setzte sich auch dafür ein, die Möglichkeiten für Frauen in seinem Land zu erweitern. Gegen den Willen einflussreicher Islamgelehrter gründete er 2009 die König-Abdullah-Universität (Kaust), in der Frauen und Männer gemeinsam studieren und forschen. 2013 ernannte er erstmals Frauen zu Mitgliedern des Schura-Rates, eine Art Parlament ohne Gesetzgebungskompetenz.

Außenpolitisch machte er sich vor allem den schiitischen Iran zum Rivalen. Er unterstützte sunnitische Gruppierungen in mehreren Ländern im Kampf gegen Teherans Verbündete. Die vom Iran gestützte Hisbollah-Miliz im Libanon konnte Abdullah jedoch nicht stoppen. 2013 unterstützte Abdullah in Ägypten den Sturz des aus der Muslimbruderschaft stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär. In Syrien bewaffnete er seit 2011 die Rebellen, die gegen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen.

Massenproteste niedergeschlagen

Das Herrscherhaus steht derzeit international in der Kritik. In den vergangenen Wochen protestierten viele Menschenrechtsorganisationen und Regierungen gegen die Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi, der die strenge Religionspolizei öffentlich kritisiert hatte.

Auch anderen politischen Gegnern blieb das Herrscherhaus unnachgiebig: Proteste von Schiiten wurden niedergeschlagen und totgeschwiegen; Frauen,  die sich dem Fahrverbot widersetzten, hart bestraft. In Bahrain beteiligten sich saudische Soldaten an der Niederschlagung der von Schiiten angeführten Massenproteste gegen das sunnitische Herrscherhaus.

Ölpreis steigt leicht

Der Tod Abdullahs wirkt sich auch auf den Ölmarkt aus, die Preise stiegen: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März kostete im frühen Handel 49,44 Dollar und damit 92 Cent oder fast zwei Prozent mehr als am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 85 Cent auf 47,16 Dollar zu.

Nach Einschätzung von Experten erhöht der Tod Abdullahs  die Unsicherheit über die Ausrichtung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Das größte Ölförderkartell hatte im November – angeführt von Saudi-Arabien – entschieden, die Förderung trotz des starken Ölpreisverfalls nicht zu kürzen.