Der Präsident des EU-Parlaments hat Saudi-Arabien wegen der öffentlichen Prügelstrafe für den Blogger Raif Badawi scharf kritisiert. Martin Schulz sagte im ZDF-Morgenmagazin, er könne keinen Unterschied erkennen zwischen einem Enthauptungsvideo der Terrormiliz "Islamischer Staat" in einem sozialen Netzwerk und einer staatlich betriebenen Prügelstrafe, Hinrichtung oder Enthauptung, die auf einem öffentlichen Platz gezeigt werde. "Ich glaube, Saudi-Arabien muss begreifen, man kann nur ein glaubhafter Partner für uns sein, wenn diese mittelalterlichen, archaischen Methoden eingestellt werden", sagte der SPD-Politiker. Die Strafe für den Blogger sei eine "Hinrichtung auf Raten".

Badawi war zu 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden, nachdem er auf seiner Internetseite Liberal Saudi Network saudi-arabische Kleriker und die Religionspolizei des Königreichs kritisiert hatte. Im Jahr 2012 wurde er deshalb festgenommen und im November vergangenen Jahres wegen "Beleidigung des Islam" verurteilt. Die Peitschenhiebe sollen auf 20 Wochen aufgeteilt werden. Die ersten 50 Peitschenhiebe hatte er vor zwei Wochen in Dschidda nach der Freitagspredigt in aller Öffentlichkeit bekommen. Der Fall löste weltweit Kritik aus. Laut des saudischen Botschafters in Berlin soll die  Auspeitschung gestoppt werden. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür bislang nicht. 

Nach dem Tod des saudischen Königs Abdullah hat sein Nachfolger, König Salman, versprochen, an der Politik seiner Vorgänger festzuhalten. "Wir werden damit fortfahren, uns an die korrekte Politik zu halten, die Saudi-Arabien seit seiner Gründung verfolgt hat", sagte er bei einer im Fernsehen übertragenen Rede. Die arabischen und muslimischen Staaten bräuchten dringend Einheit und Solidarität. Saudi-Arabien werde weiterhin jeden Schritt unternehmen, um die Reihen zu schließen und das Land zu verteidigen. 

Zweifel am Gesundheitszustand des neuen König

Die Ansprache nährte Zweifel am Gesundheitszustand des neuen Regenten. Seit Längerem gibt es Gerüchte, Salman sei an Demenz erkrankt. Bei seinem TV-Auftritt sprach er atemlos und mit schwacher Stimme. Er war nur schwer zu verstehen. 

König Abdullah war in der Nacht gestorben. Daraufhin übernahm der 79 Jahre alte Salman, der Halbbruder des Verstorbenen, die Macht in dem ölreichen Königreich.