Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hält einen Einsatz von Chlorgas bei Angriffen auf drei syrische Ortschaften im vergangenen Jahr für weitgehend erwiesen. Die Vorwürfe ließen sich mit großer Sicherheit bestätigen, hieß es in einem im UN-Sicherheitsrat diskutierten OPCW-Untersuchungsbericht.

Bereits im August hatten die Vereinten Nationen (UN) die syrischen Regierungstruppen beschuldigt, im April in acht Fällen Chlorgas eingesetzt zu haben. Damals hieß es in einem Bericht der Syrien-Untersuchungskommission, es gebe Hinweise auf einen Einsatz von Chlorgas.

Der neue Bericht hält den Giftgaseinsatz nun in drei Fällen für erwiesen. Untersucht wurden Angriffe ab April auf die nordsyrischen Ortschaften Talmenes, Al-Tamana und Kafr Sita. Zwischen 350 bis 500 Menschen wurden demnach verletzt, mindestens 13 davon starben.

Welche Konfliktpartei das Gift einsetzte, blieb in dem Bericht offen. Die Regierung von Staatschef Baschar al-Assad und die gegen sie kämpfenden Rebellen beschuldigen sich gegenseitig.

32 von 37 befragten Anwohnern hatten ausgesagt, sie hätten zum Zeitpunkt der Angriffe Helikopter mit Fassbomben und giftigen Chemikalien über dem Dorf gesehen oder gehört.

Die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power machte die Regierung in Damaskus anhand dieser Beschreibungen als Schuldigen aus. "Nur das syrische Regime benutzt (Helikopter)", twitterte sie. Ihm müsse klargemacht werden, dass es nicht genug sei, nur deklarierte Chemiewaffen zu zerstören. Das Abwerfen von mit Chemikalien bestückten Sprengstoffen auf Zivilisten müsse aufhören, forderte Power.

Assads Regime dementiert

Der stellvertretende syrische Außenminister Faisal Mekdad hatte den Einsatz von Chemiewaffen oder Chlorgas durch Regierungstruppen bereits im Dezember bei einem OPCW-Treffen vehement zurückgewiesen.

Der Bericht stützt sich auf die Befragung von Anwohnern. Zudem werden darin 152 Videos und 189 Beweisstücke sowie Fotos von Schauplätzen ausgewertet.

Ein weiterer Giftgaseinsatz ist schon länger erwiesen: Am 21. August 2013 waren bei einem Angriff östlich von Damaskus mehr als 1.400 Menschen durch das Nervengas Sarin getötet worden, wie UN-Inspektoren im September 2013 bekannt gaben.     

Die OPCW-Mission wurde am 29. April initiiert, um Vorwürfe rund um den mutmaßlichen Einsatz von Chlorgas zu "feindlichen Zwecken" in Syrien zu prüfen.

Chlorgas wird zwar nicht offiziell als chemisches Kampfmittel geführt. Doch acht Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats, darunter die USA und Jordanien, legten dem jüngsten OPCW-Bericht Ende Dezember einen Brief bei, in dem sie auf eine Resolution vom September 2013 verwiesen, die Syrien zur Zerstörung seines Chemiewaffenarsenals auffordert.

Im Juni wurden die letzten in Syrien registrierten Chemiewaffen an die OPCW übergeben. Unter der Ägide der OPCW wurde Syriens Chemiewaffenarsenal unschädlich gemacht. Eine Vernichtung von Chlorgas, das vor allem in der Industrie eingesetzt wird, ist jedoch nicht vorgesehen.