Die Linkspartei Syriza will nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl in Griechenland die Regierungsbildung so rasch wie möglich abschließen. Es wird in Athen erwartet, dass Staatschef Karolos Papoulias noch am Montag Tsipras offiziell ein Sondierungsmandat für die Bildung einer Regierung erteilt. Das Linksbündnis hätte dann drei Tage lang Zeit.  

Weil Syriza nach Auszählung von 99,5 Prozent der Stimmen eine absolute Mehrheit knapp verfehlt hat, sucht die Partei nach einem Koalitionspartner. Bereits am Vormittag trifft Parteichef Alexis Tsipras den Vorsitzenden der Partei der Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, zu Koalitionsgesprächen, wie griechische Medien in der Nacht zum Montag berichteten. Diese holten 13 Parlamentssitze. Die Rechtspopulisten streben zwar wie Syriza eine radikale Abkehr vom strikten Sparkurs an, doch bei allen anderen Themen liegen die beiden Parteien weit auseinander.  

Ein Vertreter der Linkspartei sagte, schon am Abend könnte Tsipras als neuer Ministerpräsident vereidigt werden. Außer den Unabhängigen Griechen signalisierte auch die Partei der politischen Mitte, To Potami (Der Fluss), Bereitschaft zu Koalitionsgesprächen. Analysten schließen auch die Bildung einer Minderheitsregierung unter Tsipras nicht aus.

Wie das mit dem griechischen Innenministerium zusammenarbeitende Meinungsforschungsinstitut Singular Logic am Montagmorgen nach Auszählung von 99,5 Prozent der Stimmen mitteilte, erhielt Syriza 36,4 Prozent der Stimmen und voraussichtlich 149 der 300 Sitze im Parlament.

Die bislang regierenden Konservativen und Sozialisten brachen ein und müssen in die Opposition. Die Konservativen der Nea Dimokratia (ND) kamen auf 27,8 Prozent (Juni 2012: 29,7) und damit 76 Sitze. Der bisherige Junior-Koalitionspartner der Konservativen, die sozialistische Pasok bekam nur mehr 4,7 (Juni 2012: 12,3) Prozent und 13 Sitze.

Drittstärkste Kraft wurde demnach die rechtsextremistische Goldene Morgenröte mit 6,3 Prozent (Juni 2012: 6,9). Sie wird 17 Abgeordnete ins Parlament entsenden. Die vergangenes Jahr neu gegründete proeuropäische Partei To Potami (Der Fluß) kam auf 6 Prozent und 17 Abgeordnete. Den Einzug ins Parlament schafften auch die Kommunistische Partei KKE mit 5,5 Prozent (Juni 2012: 4,5) und 15 Abgeordneten sowie die rechtspopulistische Partei der Unabhängigen Griechen mit 4,7 Prozent (Juni 2012: 7,5) und 13 Mandaten. 

Der Wahlsieger ließ sich in Athen vor seinen Anhängern feiern. "Das griechische Volk hat Geschichte geschrieben", sagte Syriza-Chef Alexis Tsipras. "Es lässt die desaströse Sparpolitik hinter sich." Die Wähler hätten die internationale Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank für beendet erklärt. Er signalisierte den europäischen Partnern aber auch Gesprächsbereitschaft für eine "gerechte und praktikable Lösung".

Euro sackt ab

Der Euro ist nach der Wahl kurzzeitig auf seinen tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen. An der Börse in Tokio lag die europäische Gemeinschaftswährung zum Handelsauftakt am Montag bei 1,1088 Dollar, das war der niedrigste Wert seit September 2003. In Asien gaben zudem die Börsen nach.

Später erholte sich der Euro wieder etwas. Die Wahl war weltweit mit Spannung erwartet worden. Griechenland braucht dringend eine handlungsfähige Regierung. Das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber läuft Ende Februar aus. Sollte es keine neue Einigung geben, könnte das Land schon bald zahlungsunfähig sein.