Die Kämpfe im Osten der Ukraine haben nach Angaben der Nato deutlich an Intensität zugenommen. Sie hätten das Niveau erreicht wie vor dem im September geschlossenen Minsker Abkommen für einen Waffenstillstand. "Die Kämpfe haben sich auf den Stand vor dem Abkommen verstärkt", "und in einigen Fällen auch darüber hinaus", sagte der Nato-Oberkommandierende Philip Breedlove. Die sogenannte Kontaktlinie zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den prorussischen Rebellen sei in einigen Orten "nach Westen verschoben" worden.

Breedlove sagte, es gebe Anzeichen für eine russische Truppenpräsenz im Osten der Ukraine. "Wir beginnen die Signaturen von Luftabwehrsystemen und elektronischen Verteidigungssystemen zu sehen, von denen russische Truppen in der Vergangenheit begleitet wurden." Angaben des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko konnte Breedlove aber nicht bestätigen, wonach sich mittlerweile 9.000 russische Soldaten dort aufhalten. Die Nato sei derzeit "nicht in der Lage, die Präsenz von zusätzlichen Truppen in der Ukraine zu bestätigen", sagte der General.

In dem seit neun Monaten anhaltenden Konflikt wurden laut der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bislang insgesamt 5.000 Menschen getötet und mehr als 10.000 verletzt. Allein in den vergangenen 24 Stunden starben nach offiziellen Angaben mindestens 41 Soldaten und Zivilisten. 

Gegen das im September in Minsk geschlossene Waffenstillstandsabkommen wird immer wieder verstoßen. Allein bei dem Beschuss eines Busses wurden am Morgen zwölf Insassen und ein Autofahrer getötet. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums in einem bisher von den Kämpfen weitgehend verschonten Viertel von Donezk, mehr als 15 Kilometer vom Flughafen entfernt.

Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig für den Beschuss verantwortlich. "Russische Terroristen haben wieder eine schreckliche Tat gegen die Menschlichkeit begangen", sagte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk in Kiew. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach von einem "monströsen Verbrechen". Die Kriegsparteien in Kiew und ihre "ausländischen Sponsoren" machten auch vor menschlichen Opfern nicht Halt.

Ukrainische Soldaten geben Hauptterminal am Donezker Flughafen auf

Ukrainische Regierungssoldaten räumten indes das Hauptterminal des zerstörten Flughafens von Donezk. "Es zu halten, machte keinen Sinn mehr", sagte der Berater von Präsident Petro Poroschenko, Juri Birjukow. Der Schritt sei das Resultat monatelanger verlustreicher Kämpfe. In den vergangenen Tagen sei eine Offensive erfolglos verlaufen, so Birjukow. "Der Flughafen bleibt aber Frontlinie."

Die Soldaten zogen sich zurück, nachdem "der Beschuss aus allen Richtungen" gekommen sei, wie ein Militärsprecher sagte. Nach Angaben der Armee wurden binnen 24 Stunden zehn Soldaten bei den Kämpfen um den Flughafen getötet. In der Umgebung dauerten die Kämpfe an. Militärsprecher Wladislaw Selesnjow betonte, die Armee habe sich nicht völlig vom Areal zurückgezogen. Mehrere Gebäude seien noch in der Hand der Regierungstruppen.