Der Vertrauensverlust ist total. Und es wird noch lange dauern, bis der Westen und Russland zu einem normalen, konstruktiven Umgang miteinander zurückfinden. An diesem abgrundtiefen Misstrauen ist auch das für diesen Donnerstag geplante Vierertreffen gescheitert. In Astana, der Hauptstadt Kasachstans, wollten sich die Staats- und Regierungschefs Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs treffen. Doch wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach einem Treffen der Außenminister der vier Länder am Montag dieser Woche sagte, fehlt es noch an den "Voraussetzungen" für ein solches Gipfeltreffen.

Die Enttäuschung stand Steinmeier ins Gesicht geschrieben, als er am Montagabend in Berlin vor die Presse trat. Rastlos bemüht er sich seit einem Jahr, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Bisher hat er sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Aber sein Geschäft bleibt unendlich mühsam.

Schon bevor sich die Außenminister trafen, hatte die Bundesregierung klargestellt, ein Gipfeltreffen wäre nur dann sinnvoll, wenn spürbare, substanzielle Fortschritte zu erwarten seien. Es sollte kein "Mailand Zwei" geben, also keine Wiederholung des deprimierenden Treffens zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin am Rande des EU-Asien-Gipfels Mitte Oktober.

Astana wäre nur zustande gekommen, wenn vorher in drei Punkten Fortschritte erzielt worden wären: Die Waffenstillstandslinie zwischen der ukrainischen Armee und den prorussischen Separatisten muss halten, die schweren Waffen müssen zurückgezogen und die humanitäre Hilfe für die von den Kämpfen betroffene Bevölkerung in der Ostukraine erleichtert werden.

Deutschland will an Dialogbereitschaft festhalten

Bei allen drei Punkten ging es nicht voran. Im Gegenteil: Die Situation in der Ostukraine verschärft sich wieder, der Artilleriebeschuss nimmt zu, die Spannungen wachsen.

Trotz alledem will die Bundesregierung an ihrer Dialogbereitschaft festhalten. Die anderen Europäer und die Amerikaner haben ihr eine gewisse Führungsrolle in diesem Konflikt zugewiesen. Zwar blickt mancher im Baltikum, in Polen, auch in Brüssel und Washington mit Misstrauen auf die Bemühungen der Deutschen. Dennoch hat das Normandie-Format – entstanden bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie 1944 – die Unterstützung der Verbündeten. Die Treffen von Russen, Ukrainern, Deutschen und Franzosen werden als hilfreich angesehen, weil der Rahmen sowohl von Kiew als auch von Moskau akzeptiert wird und weil Franzosen und Deutsche als gute Vermittler gelten.

Kurzfristig muss alles daran gesetzt werden, die neu aufflammenden Kämpfe in der Ostukraine zu beenden und die Not der Menschen zu lindern. Aber welchen Weg gibt es langfristig, wieder einen Dialog mit Russland zu beginnen und Moskau aus der selbst verschuldeten Isolation zu holen?