Eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt scheint immer unwahrscheinlicher. Die prorussischen Aufständischen in Donezk haben eine neue Offensive angekündigt. Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden – "notfalls" auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, sagte Separatistenführer Alexander Sachartschenko: "Falls ich eine Gefährdung für die Donezker Erde von irgendeiner Siedlung sehe, werde ich diese Gefahr auch dort beseitigen." 

Versuche einer Waffenruhe mit der Regierung in Kiew werde es vonseiten der Aufständischen nicht mehr geben. Bewaffnete Kräfte der "Volksrepubliken" würden derzeit auf mehrere Orte vorstoßen, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Interfax. Mit der prowestlichen Regierung in Kiew würden die Aufständischen lediglich Gespräche über Gefangenenaustausch führen.

Als Verhandlungspartner erkenne er nur noch Präsident Petro Poroschenko an. Die bisherige Besetzung der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk sei sinnlos. "Wenn Poroschenko kommt, werden wir sprechen", sagte der Separatistenführer.     

Der Sekretär des Sicherheitsrates in Kiew, Alexander Turtschinow, sprach von "regulären Einheiten der russischen Streitkräfte", die eine Offensive gestartet hätten. Die "russischen Terrorgruppen" würden praktisch entlang der ganzen Frontlinie angreifen, "nahe bei Donezk und im Süden". Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Lage aber unter Kontrolle und würden zum Gegenangriff ausholen.

Der deutsche Außenminister bezeichnete die neue Offensive der prorussischen Separatisten als "Kriegstreiberei". An Russland und die Ukraine appellierte Frank-Walter Steinmeier abermals, die Vereinbarungen des jüngsten Ministertreffens in Berlin umzusetzen. "Wir werden nur zu einer Entschärfung des Konflikts kommen, wenn wir beginnen, in den Rückzug von schweren Waffen einzusteigen", sagte er während eines Besuchs in Tunesien.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Die Kämpfe hatten sich in diesem Monat deutlich verschärft. Derzeit kontrollieren die prorussischen Separatisten mehr Gebiete, als im September in Minsk bei den Verhandlungen über eine Feuerpause vereinbart worden war. Nach monatelangen Gefechten hatten sich die ukrainischen Truppen erst am Donnerstag von dem völlig zerschossenen Flughafen zurückgezogen. In der Ukraine wird die Schlacht um das Areal mit der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg verglichen.

Russlands Präsident Wladimir Putin warf der Ukraine vor, für die zahlreichen Todesopfer der vergangenen Tage verantwortlich zu sein. Bei der "großangelegten Militäroperation" seien Artillerie und Luftwaffe eingesetzt worden – und das über bewohnten Gegenden, sagte Putin bei einem Treffen mit seinem Sicherheitskabinett.

Poroschenko hatte Russland vor wenigen Tagen vorgeworfen, die Separatisten auf dem Territorium seines Landes mit 9.000 Soldaten zu unterstützen. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk kündigte die Aufstockung der Armee um 68.000 Soldaten auf eine Gesamtstärke von 250.000 an.