Im Bürgerkriegsgebiet der Ostukraine sind zwölf Zivilisten getötet worden. Ein Geschoss habe einen Reisebus getroffen, mindestens 13 Personen seien verletzt worden, sagte der Leiter der Regionalpolizei. Verantwortlich für den Beschuss sind nach Angaben der Gebietsverwaltung von Donezk prorussische Separatisten. Diese wiesen die Vorwürfe zurück. Separatistenführer Denis Puschilin sagte der Agentur Interfax, "dies könnte eine Provokation des ukrainischen Militärs sein".

Der Vorfall hat sich nach Angaben der ukrainischen Behörden an einem Militärkontrollpunkt in der Nähe der Stadt Wolnowacha in der Region Donezk ereignet. Die Separatisten hätten den Checkpoint in dem Moment beschossen, in dem der Passagierbus den Kontrollposten passierte. Im Bus hätten Zivilisten aus der Küstenstadt Mariupol gesessen. Die Rakete habe den Bus "direkt getroffen", hieß es von Seiten der Polizei. Es seien bereits Ermittlungen eingeleitet worden, die Straße zwischen Donezk und Mariupol sei gesperrt worden.

Seit April sind bei dem Konflikt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten mehr als 4.700 Menschen gestorben. In den vergangenen Tagen haben die Kämpfe in der Ostukraine wieder zugenommen – obwohl das Waffenstillstandsabkommen zwischen der Regierung in Kiew und den Separatisten seit September in Kraft ist und die Nato zuletzt von einer leichten Entspannung gesprochen hatte. 

Unter anderem ist aufgrund der anhaltenden Kämpfe in der Region der Kontrollturm am Donezker Flughafen eingestürzt. Dort hatten die Separatisten dem ukrainischen Militär ein Ultimatum gestellt: Sollten die Soldaten das neue Terminal bis zum Nachmittag nicht verlassen haben, werde das Gebäude komplett zerstört.

Auch die geplanten Friedensgespräche sind auf unbestimmte Zeit verschoben. Eigentlich war für Donnerstag ein Gipfeltreffen in Kasachstan vorgesehen. Jedoch hatten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine bei ihren Gesprächen über eine Beilegung des Ukraine-Konflikts keinen entscheidenden Fortschritt erreicht. An dem Treffen sollten Kanzlerin Angela Merkel, Kremlchef Wladimir Putin, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein französischer Kollege François Hollande teilnehmen.

Nach der Absage des Gipfeltreffens richten sich die Hoffnungen der Konfliktparteien auf ein Treffen der sogenannten Kontaktgruppe. Gespräche zwischen der prowestlichen Führung in Kiew und den prorussischen Separatisten müssten unverzüglich stattfinden, forderte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Jewgeni Perebejnos. Dafür haben sich auch die Separatisten ausgesprochen. Sie fordern aber zunächst eine Einhaltung der Waffenruhe. Perebejnos sagte: "Davon, wie erfolgreich die Kontaktgruppe arbeitet, hängen die nächsten Schritte ab, vor allem ein Treffen auf höchster Ebene." In der Kontaktgruppe vermitteln Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zwischen der Ukraine und den Separatisten.

Polen begann derweil mit dem Transport polnischstämmiger Ukrainer aus der Ostukraine. Im nordpolnischen Malbork landete das erste Flugzeug mit Flüchtlingen aus Donezk und anderen Orten. Nach Angaben des Warschauer Innenministeriums sind fünf Flüge geplant. 178 Ukrainer mit polnischen Wurzeln wollen nach Polen, die meisten sind den Angaben zufolge Familien mit Kindern.