Die nigerianischen Streitkräfte haben die Garnisonsstadt Baga von der Terrorgruppe Boko Haram zurückerobert. Die Armee habe die Stadt am Tschadsee mit Unterstützung der Luftwaffe unter ihre Kontrolle gebracht, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Boko Haram hatte im Januar Baga gestürmt, wo sich auch das Hauptquartier einer multinationalen Truppe Nigerias, Kameruns, des Tschad und des Niger befand.

Viele der Terroristen seien bei der Offensive getötet worden, eine "unbekannte, aber bedeutende Zahl" sei jedoch mit verschiedenen Verletzungsgraden geflohen, sagte der Sprecher. Viele Boko-Haram-Kämpfer seien beim Fluchtversuch ertrunken.

Zugleich scheiterten die Extremisten am Wochenende offenbar mit einem Angriff auf eine Insel, die im nigrischen Teil des Tschadsee liegt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen dauerten die Kämpfe die ganze Nacht an, bevor Boko Haram am Samstagmorgen schließlich zurückgeschlagen worden sei.


Boko Haram hatte in den vergangenen Tagen im Nordosten Nigerias mehrere Dörfer überfallen und mindestens 34 Menschen getötet. Die Angriffe ereigneten sich am Mittwoch und Donnerstag nahe der Städte Chibok und Konduga im Staat Borno, teilte ein Mitglied einer örtlichen Bürgerwehr mit. In Chibok hatten Mitglieder von Boko Haram im vergangenen April mehr als 200 Schuldmädchen entführt, die nach wie vor vermisst werden.

Boko Haram greift mehrere Dörfer an

Den Angaben zufolge töteten Bewaffnete der Gruppe am Mittwochabend mindestens zwölf Anwohner des Ortes Tamsu-Shehuri. Einen Tag später hätten sie das Nachbardorf Ladi-Shehuri attackiert, bevor Soldaten aus Konduga rund zwölf der Angreifer töten konnten, berichtete ein Mitglied von einer Bürgerwehr. Ein Beamter der örtlichen Regierung sagte, 21 Menschen seien bei einem Angriff mutmaßlicher Boko-Haram-Kämpfer nahe Chibok getötet worden.

Im benachbarten Bundesstaat Adamawa griffen die Terroristen drei Dörfer am Rande des Sambisa-Waldes an und töteten nach Angaben von Überlebenden am Donnerstag und Freitag mindestens 40 Menschen.

Die Extremistengruppe hatte in den vergangenen Monaten ihre Angriffe vom Nordosten Nigerias auf die Nachbarländer Kamerun, Tschad und Niger ausgedehnt. Diese entschlossen sich daraufhin zum Eingreifen und entsandten Truppen in ihre Grenzgebiete zu Nigeria. Anfang Februar beschlossen Nigeria, Kamerun, Tschad, Niger und Benin zudem, eine Eingreiftruppe von 8.700 Soldaten gegen die Terrorgruppe aufzustellen. Nachdem Boko Haram über Monate Gewinne erzielt hatte, meldeten das nigerianische und das tschadische Militär zuletzt die Rückeroberung von mindestens einem Dutzend Städte.

Boko Haram lehnt westliche Einflüsse ab und will im überwiegend islamischen Nordosten Nigerias einen Gottesstaat mit islamischer Rechtsprechung errichten. Seit 2009 kämpft die Gruppe mit Gewalt für ihre Ziele, Tausende Menschen kamen dabei bisher ums Leben.