Im Nordosten Nigerias haben die nigerianischen und tschadischen Streitkräfte eine Großoffensive gegen die islamistische Terrororganisation Boko Haram gestartet. Wie Augenzeugen berichteten, bombardierten nigerianische Jets den Sambisa-Wald, wo die Extremisten Lager haben und im vergangenen April knapp 300 entführte Schulmädchen hingeschafft hatten.

Das tschadische Militär teilte mit, seine Soldaten seien am gestrigen Dienstag in Kamerun von Boko Haram angegriffen worden und hätten die Islamisten über die Grenze bis zu deren Stützpunkt in Gamboru und Ngala in Nigeria verfolgt. Die Islamisten hatten Gamboru wochenlang kontrolliert. Nun seien sie dort "vollständig beseitigt" worden, hieß es weiter.

Den Angaben zufolge kamen mehr als 200 Aufständische und neun tschadische Soldaten ums Leben. Auch mehrere Fahrzeuge mit schweren Waffen und Hunderte Motorräder der Boko Haram seien zerstört worden, so die Armee. Ein nigerianischer Sprecher, Mike Omeri, sagte, die beiden Städte seien zurückerobert worden, schrieb dies aber nicht tschadischen Soldaten zu. Auch der französische Sender RFI bestätigte die Einnahme Gamborus.

Erst vor wenigen Tagen hatte Boko Haram versucht, die nigerianische Millionenstadt Maiduguri einzunehmen. Die islamistische Gruppe will in der Region einen Gottesstaat aufbauen und hat seit 2009 Schätzungen zufolge bereits 13.000 Menschen bei Angriffen und Anschlägen getötet. In den vergangenen Monaten hat die Terrorgruppe mehr als 130 Städte und Dörfer in drei Staaten im Nordosten Nigerias an der Grenze zu Kamerun, Tschad und Niger eingenommen.

Der Weltsicherheitsrat fordert eine sofortige Ausweitung des regionalen Militäreinsatzes gegen die Terrorgruppe in Nigeria und dessen Nachbarstaaten. Das oberste Gremium der Vereinten Nationen erklärte, es sei zutiefst besorgt über die Situation. Boko Haram "untergräbt den Frieden und die Stabilität der west- und zentralafrikanischen Region", hieß es.

Die Afrikanische Union arbeitet derzeit noch an einem Mandat für eine 7.500 Mann starke multinationale Truppe, um gegen Boko Haram vorzugehen.