US-Präsident Barack Obama hat die Ermordung des russischen Regierungskritikers Boris Nemzow als "brutalen und bösartigen Mord" verurteilt. Er rief die russische Regierung zu einer "raschen, überparteilichen und transparenten Ermittlung" auf. Die Umstände seiner Ermordung müssten aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

"Nemzow war ein unermüdlicher Anwalt seines Landes", hieß es in einer Erklärung des US-Präsidenten. "Er setzte sich dafür ein, dass seine Mitbürger die Rechte erhalten, die allen Menschen zustehen." Er habe Nemzow auch für dessen mutigen Kampf gegen die Korruption bewundert, teilte Obama mit. Der Präsident sagte, dass er Nemzow im Jahr 2009 auf einer Russland-Reise persönlich kennengelernt habe.

Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte die Tat ebenfalls und ließ über einen Sprecher erklären, sie zeige alle Anzeichen eines "Auftragsmordes". Putin sprach von einer politischen "Provokation". Der Präsident habe den Angehörigen des Oppositionellen sein Beileid ausgesprochen. Zudem habe Putin die leitenden Mitarbeiter der obersten Ermittlungsbehörde, des Innenministeriums und des Inlandsgeheimdienstes FSB angewiesen, die Ermittlungen persönlich in die Hand zu nehmen.

Poroschenko sah in Nemzow Brücke zu Russland

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der mit Nemzow befreundet war, zeigte sich bestürzt über den Mord des Politikers. "Sie haben Boris umgebracht. Es ist kaum zu glauben", twitterte Poroschenko. Er bezeichnete Nemzow auf Facebook als "eine Brücke zwischen der Ukraine und Russland", die "von den Schüssen eines Mörders zerstört" worden sei. "Ich glaube nicht, dass das Zufall war." 

Er habe jedoch keinen Zweifel, dass die Täter früher oder später bestraft würden. Nemzow hatte die Maidan-Bewegung in der Ukraine unterstützt und  Präsident Putin immer wieder die Eskalation des Konflikts vorgeworfen. Laut einem Bekannten Nemzows arbeitete dieser zuletzt an einem Report, der die Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ukraine durch den Kreml belegen sollte.     

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich schockiert über die Ermordung des Oppositionellen. Sie würdigte den Mut des ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten, der seine Kritik an der Regierungspolitik immer wieder auch öffentlich geäußert habe. Sie habe seinen Angehörigen ihr Mitgefühl übermittelt und Präsident Wladimir Putin aufgefordert, die Aufklärung des Mordes zu gewährleisten, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow macht Provokateure für den Mord an dem prominenten Oppositionspolitiker verantwortlich. "Es ist ein Versuch, in dieser Situation Komplikationen zu stiften, möglicherweise sogar, die Lage im Land zu destabilisieren", zitierte die Agentur Interfax Gorbatschow.

Vier Schüsse aus dem Auto in den Rücken

Nemzow, einer der prominentesten Kritiker von Putin, war am Freitagabend auf einer Brücke in der Moskauer Innenstadt von einem Unbekannten erschossen worden. Der Täter feuerte nach Polizeiangaben aus einem Auto und traf Nemzow mindestens vier Mal in den Rücken.

Nemzow startete seine politische Laufbahn als Gouverneur der zentralrussischen Region Nischni Nowgorod. 1997 und 1998 war er unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin Vizeministerpräsident und galt als einer der Architekten der liberalen Wirtschaftsreformen. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 schickte ihn die liberale Partei Union der rechten Kräfte ins Rennen, er legte die Kandidatur aber vor der Wahl nieder. Vor einem Jahr war Nemzow wegen Protestaktionen gegen die Justiz zu mehreren Tagen Haft verurteilt worden.