Wenige Tage vor Ablauf des Ultimatums der Europäischen Union deutet sich in der griechischen Schuldenkrise Bewegung an: Griechenland erwäge doch einen "Antrag auf Verlängerung der Kreditvereinbarungen" zu stellen, hieß es aus Athen. Dies komme allerdings nur infrage, wenn sich die neuen Auflagen "klar von dem alten Memorandum unterscheiden". 

Laut griechischen Medienberichten plant Finanzminister Yanis Varoufakis, am Mittwoch eine Verlängerung der Ende Februar auslaufenden Kredite zu beantragen. Dies würde nicht eine Verlängerung des Rettungsprogramms bedeuten, mit dem harte Sparauflagen verbunden sind, hieß es. Genau das hatte die Eurogruppe nach dem Scheitern der Verhandlungen am Montagabend aber verlangt.

"Wir untersuchen die Möglichkeiten einer Verlängerung des Krediteabkommens", erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus griechischen Regierungskreisen. Das Sparprogramm gelte aber nicht, hieß es weiter. Was das genau bedeute, wollten die Quellen in Athen nicht sagen. Damit blieb die entscheidende Frage zunächst offen, ob die griechische Regierung nun auch bereit ist, die bisher vereinbarten Auflagen der internationalen Geldgeber zu akzeptieren. 

Die von Athen gewünschte Verlängerung soll sich einem Bericht der konservativen Athener Zeitung Kathimerini auf sechs Monate beschränken. Damit würde das hochverschuldete Land noch bis Ende August unter dem Rettungsschirm bleiben. Details dieses Antrags wollte man am Abend im Athener Finanzministerium nicht kommentieren.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagierte mit großer Zurückhaltung auf die Berichte über den angeblichen Kurswechsel Athens. Er sagte im heute journal des ZDF, er habe dazu keine näheren Informationen. "Aber es gibt auch gar keine Kreditabkommen. Es ist ein Hilfsprogramm für Griechenland."  

Wahrscheinlich stecke schon in dieser nur scheinbar unwichtigen Einzelheit der Schlüssel: "Griechenland möchte natürlich gern weiter Kredite bekommen." Aber Griechenland wolle die notwendigen Bedingungen für eine wirtschaftliche Erholung nicht erfüllen. "Es geht nicht um eine Verlängerung von Kreditprogrammen. Sondern es geht darum, ob dieses Programm erfüllt wird, ja oder nein", sagte Schäuble.

Er forderte, Griechenland müsse etwas "Verlässliches" und "Belastbares" vorlegen, damit die Hilfe tatsächlich fortgesetzt werden könne. Deutschland und andere Euroländer verlangen von der Regierung in Athen, bis Freitag die Fortsetzung des Kreditprogramms zu beantragen. Bisher hatte das Links-rechts-Bündnis unter Ministerpräsident Alexis Tsipras dies abgelehnt. Die Regierung in Athen macht das bisherige Programm der Europartner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für eine "humanitäre Krise" in Griechenland verantwortlich.

Grexit und Staatspleite drohen

Athen hat den Bündnispartnern nach Angaben aus Delegationskreisen jedoch noch keine verlässlichen Zahlen und Pläne vorgelegt, unter welchen Bedingungen die Fortführung der Hilfskredite vorstellbar sei.

Ohne eine rasche Einigung droht Griechenland eine dramatische Verschlechterung seiner Finanzlage bis hin zur Staatspleite. Bis zum Sommer muss Griechenland Milliarden an die Geldgeber zahlen. Am Kapitalmarkt kann sich Athen längerfristig kein Geld leihen und benötigt daher weitere Hilfen. Am Mittwoch könnte die Europäische Zentralbank (EZB) entscheiden, ob sie den griechischen Banken kein weiteres Geld mehr zukommen lässt.