Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat das Brüsseler Verhandlungsergebnis als "das Ende von Sparmaßnahmen und Rettungsplan" bezeichnet. "Wir haben Griechenlands Würde gewahrt und das Land aufrecht gehalten. Wir haben bewiesen, dass Europa ein Schauplatz von Verhandlungen und zugleich von allen tragbaren Kompromissen ist und eben kein Exekutionsschauplatz oder Ort der Unterordnung und der blinden Bestrafung", sagte er in einer Fernsehansprache.    

"Gestern sind wir einen entschlossenen Schritt gegangen und haben Austerität, Memorandum und Troika hinter uns gelassen.
Es war ein entschlossener Schritt für einen Richtungswechsel innerhalb der Eurozone", sagte Tsipras weiter. Er sprach jedoch – mit Blick auf die von seiner Regierung am Montag vorzulegende Liste mit Reformplänen – auch von schwierigen Verhandlungen, die noch zu führen seien. "Wir haben eine Schlacht gewonnen, aber nicht den Krieg. Die Schwierigkeiten liegen vor uns." Für diesen Samstag hat er eine Sitzung seines inneren Kabinetts einberufen. 

Seine Regierung habe "ein Land am Rand des Abgrunds" geerbt, sagte Tsipras. Sie habe einen Plan "blinder konservativer Mächte" im In- und Ausland abgewehrt, Griechenland in die Zahlungsunfähigkeit zu stürzen. Mit dem am Freitagabend vereinbarten Abkommen habe Griechenland einen anderen "Horizont" für die Verhandlungen, da die Finanzierung des Landes für zunächst vier Monate gesichert sei. Dann werde Athen "seinen eigenen Entwicklungsplan" vorstellen. Der Kompromiss von Freitag verschaffe dem Land somit mehr Zeit, sagte Tsipras.

Überwindung der humanitären Krise als Priorität

Als wichtigste Aufgaben für die kommenden vier Monate nannte Tsipras die Umsetzung von Reformen. "Die gemeinsame Erklärung der Eurogruppe ist eine Rahmenvereinbarung zur Überbrückung des Zeitraums zwischen Memorandum und Beginn unseres Wachstumsprogramms", sagte er. "Sie schafft einen institutionellen Rahmen für die Umsetzung eines dringend notwendigen, fortschrittlichen Reformprogramms, bei dem es um die Bekämpfung von Korruption und Steuerhinterziehung, die Reformierung des Staates und die Bewältigung der humanitären Krise geht, welche unsere oberste Pflicht ist." Er kündigte an, die griechische Regierung werde dabei mit noch größerer Entschlossenheit als bisher voranschreiten. Es gelte, die Souveränität Griechenlands wiederherzustellen, so Tsipras.

Zum Schluss der Rede appellierte Tsipras an die Griechen, sich gemeinsam um eine politische Wende zu bemühen. "Unsere einzigen Verbündeten sind die Unterstützung aber auch die strenge Kritik des griechischen Volkes", sagte er und schloss mit den Worten: "Unser gemeinsamer Kampf geht weiter."

Aus der Liste, die die griechische Regierung den Vertretern der Eurozone am Montag vorlegen muss, wird hervorgehen, wie viel Spielraum sich die griechische Regierung tatsächlich erkämpft hat. Der Kompromiss sieht vor, dass das laufende Hilfsprogramm, das eigentlich Ende Februar ausläuft, um vier Monate bis Ende Juni verlängert wird. Im Gegenzug verpflichtet sich Athen, die Spar- und Reformvorgaben weiter einzuhalten. Überprüft wird dies weiterhin von den internationalen Kreditgebern.