Zwei frühere britische Außenminister in Erklärungsnot: Labour-Politiker Jack Straw und Tory-Spitzenmann Malcolm Rifkind sind in eine Falle getappt, die ihnen verdeckte Reporter des TV-Senders Channel 4 und der Zeitung Daily Telegraph gestellt hatten. Für Straw bedeutet dies drei Monate vor der Parlamentswahl das Aus. Er trat bereits aus der Labour-Fraktion zurück. Auch Rifkind muss sich nun einer parlamentarischen Untersuchung stellen. Wie Tory-Premierminister David Cameron am Mittag in einer Pressekonferenz mitteilte, wurde Rifkinds Mitgliedschaft in der Fraktion vorübergehend ausgesetzt.

Den Berichten zufolge bot Straw einer fiktiven Hongkonger Firma seine Verbindungen zur Politik an – gegen 5.000 Pfund (6.800 Euro) pro Tag. Rifkind stellte der Firma in Aussicht, ihr die Tür zu "jedem britischen Botschafter in der Welt" zu öffnen. Die beiden Ex-Minister sind die bislang prominentesten britischen Politiker, die sich von als Geschäftsleute getarnten Journalisten täuschen ließen. Die Gespräche wurden mit versteckter Kamera gefilmt.

Straw sagte, er habe gegenüber den Undercover-Journalisten erklärt, er würde nur für deren vermeintliche Firma arbeiten, nachdem er wie geplant nach der Wahl im Mai zurückgetreten sein werde. Nun werde ihm zu Unrecht ein Fehlverhalten unterstellt. Er halte die parlamentarischen Ethikregeln ein und habe alle seine außerberuflichen Interessen offengelegt.

Straw war unter Tony Blair und Gordon Brown Außen- und Justizminister. Seine Labour-Partei bezeichnete die Vorwürfe als verstörend. Straw habe sich selbst beim parlamentarischen Kommissar für Verhaltensregeln gemeldet und sich aus der Fraktion zurückgezogen, sagte ein Sprecher.

Den Berichten zufolge pries sich der Ex-Minister in Treffen mit den verdeckten Journalisten regelrecht an. So habe er angegeben, sich bereits für 60.000 Pfund pro Jahr "unter dem Radar" für eine Rohstofffirma eingesetzt zu haben, um EU-Auflagen zu verändern. Einen früheren ukrainischen Regierungschef will er demnach bedrängt haben, zugunsten der Firma Gesetze zu ändern.

Hochgradig irritiert und verärgert

Straw wehrte sich in einem am Montag veröffentlichten Interview gegen den Vorwurf, er habe Kontakte und Informationen aus seiner Zeit als Minister missbraucht. Dies sei niemals der Fall gewesen, zitiert ihn der britische Guardian. Dennoch sei nicht zu leugnen, dass er mit den Journalisten gesprochen habe. Es habe sich um private Gespräche gehandelt, sagte Straw. Dabei habe er Worte verwendet, die ihm heute falsch ausgelegt werden könnten. Mit dem Ausdruck "unter dem Radar" habe er beispielsweise sagen wollen, man müsste in diesem Fall höflich vorgehen, statt etwa öffentlich auf Konfrontation zu gehen.

Tory-Mann Rifkind wehrte sich nach Angaben des Guardian vehement gegen die Vorwürfe. Er habe sich nicht zu Schulden kommen lassen, sagte Rifkind. Er sei hochgradig irritiert und verärgert über die Anschuldigungen. Alles, was er den Journalisten gesagt hatte, würde er öffentlich wiederholen.

Rifkind wurde 1997 in den Ritterstand gehoben und ist Vorsitzender des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses (ISC) im Parlament. Er war unter John Major Verteidigungs- und Außenminister. Ein Sprecher von Premierminister Cameron sagte zu den Enthüllungen, Rifkind habe sich wie Straw beim Parlamentskommissar gemeldet, damit überprüft werde, ob er gegen die Regeln für Abgeordnete verstoßen habe.

Cameron hat Rifkind bislang nicht sein Vertrauen ausgesprochen. Im Gegenteil: Sein Sprecher verweigerte eine entsprechende Aussage am Montag selbst auf Nachfrage von Journalisten. Inzwischen wird in London der Ruf lauter, Rifkind solle sein Amt als Vorsitzender des ISC aufgeben.

Der Telegraph berichtete, die Journalisten hätten insgesamt zwölf Parlamentarier kontaktiert. Sechs von ihnen hätten überhaupt nicht reagiert. Einer habe den vermeintlichen Geschäftsleuten gesagt, seine Kontakte seien "nicht zu verkaufen".