Neben dem Krieg in der Ostukraine und dem Wüten des "Islamischen Staats" im Nordirak, in Syrien und jetzt auch in Libyen ist ein Konflikt fast in Vergessenheit geraten, der vor Kurzem noch als der gefährlichste überhaupt galt – der Streit um das iranische Atomprogramm.

Aber verschwunden ist er natürlich nicht. Er könnte sofort wieder aufflammen, sollten die Verhandlungen zwischen dem Iran und den fünf Ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats plus Deutschland (P5+1) scheitern. Dreimal schon waren die Gespräche verlängert worden, in diesen Tagen sind sie in die entscheidende Runde gegangen. Denn bis zum 31. März soll eine Rahmenvereinbarung geschlossen sein, Basis für eine abschließende Regelung, die bis Ende Juni stehen soll.

In den Verhandlungen haben die Amerikaner jetzt die Initiative an sich gezogen. In bilateralen Gesprächen drücken sie aufs Tempo. Am vergangenen Samstag traf sich Außenminister John Kerry in Genf mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif.

Man kann diese Kontakte gar nicht hoch genug schätzen. Rund 35 Jahre lang herrschte zwischen Washington und Teheran eine fast totale Sprachlosigkeit. Erst seit Beginn der Verhandlungen reden die beiden Regierungen wieder offiziell miteinander.

Und dies gegen alle Widerstände im jeweils eigenen Land. Das Misstrauen der Hardliner in Teheran hat Zarif jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz geschildert.  "Wir werden genau beobachtet. Alles, was ich tue, wird minutiös überprüft, vom Parlament und vom Volk." Sarif, ein überaus selbstbewusster und weltgewandter Diplomat, der lange in Amerika gelebt hat, rief in München dazu auf, "die Gelegenheit zu ergreifen. Sie mag nicht wiederkehren".

Wie tief die Gräben sind, zeigte sich, als keine zwei Stunden später vom selben Podium aus Senator John McCain das Regime in Teheran als "Förderer des Terrorismus" frontal angriff. Der Republikaner John McCain gehört zu jenen im US-Kongress, die Iran keinerlei nukleare Anreicherung zubilligen wollen und liebend gern ein Scheitern der Verhandlungen sähen. Für Falken wie ihn ist jeder Kompromiss eine Kapitulation.

Kronzeuge der Republikaner – und einiger skeptischer Demokraten – ist Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Anfang kommender Woche soll er vor beiden Häusern des Kongresses sprechen. Eingeladen hat ihn John Boehner, der Sprecher des Repräsentantenhauses, ohne das Weiße Haus auch nur zu informieren. Boehner weiß genau, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Netanjahu und Barack Obama ist. Ein beispielloser Affront!

Die Einladung an Netanjahu verfolgt vor allem ein Ziel: Sie soll die Verhandlungen torpedieren. Dabei räumen sogar Skeptiker wie der israelische Sicherheitsminister Yuval Steinitz ein, dass sich die iranische Seite bewegt hat. "Die Kluft ist schmaler geworden. Ich kann Fortschritte in zwei oder drei zentralen Punkten erkennen."