Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beugt sich dem öffentlichen Druck: Er werde sich nicht mehr in die Auswahl der Jury für den renommierten Israel-Preis für Literatur einmischen, berichten israelische Medien unter Berufung auf Netanjahus Büro. Zuvor hatte David Grossman seine Nominierung für den Preis aus Protest gegen die Intervention Netanjahus zurückgezogen. Der Premier hatte diese Woche drei Mitglieder der Jury ausgeschlossen. Das Veto soll er nun zurückgenommen haben.

Der international renommierte Schriftsteller hatte Netanjahu im Fernsehsender Channel 2 deutlich kritisiert. Er wolle nicht mehr für den Preis kandidieren, "in Reaktion auf die Einschüchterungskampagne des Ministerpräsidenten gegenüber einigen der besten israelischen Wissenschaftler und Künstler", sagte Grossman.

Der Israel-Preis wird jährlich vor dem Unabhängigkeitstag in mehreren Kategorien verliehen. Netanjahu hatte argumentiert, in der Auswahlkommission säßen zu viele Linke. Er warf dem Gremium vor, in den vergangenen Jahren "mehr und mehr Extremisten und Anti-Zionisten" für die bedeutendste Auszeichnung des Landes ausgewählt zu haben. "Diese Situation, die einer kleinen Gruppe mit extremistischen Positionen erlaubt, die Kontrolle über die Vergabe des Israel-Preises zu halten, muss sich ändern", erklärte Netanjahu, der als Interimsbildungsminister mit über die Zusammensetzung der Jury entscheiden kann.  

Ausgeschlossen wurden die Literaturprofessoren Avner Holtzman und Ariel Hirschfeld sowie der Produzent Haim Scharir. Daraufhin kündigten neben Grossman auch mehrere andere bekannte Autoren an, den Preis zu boykottieren, darunter Ruth Dayan und Sami Michael. Grossman sagte, Netanjahus Handeln habe die "Freiheit des Geistes, des Denkens und der Kreativität Israels verletzt". 

Netanjahus Veto soll zurückgenommen werden

Vor der Parlamentswahl am 17. März verschärfte sich die politische Auseinandersetzung in Israel. Die Arbeitspartei erklärte, sie werde die Justiz wegen Netanjahus Eingriff in die Jury anrufen. Ihr Spitzenkandidat Jizchak Herzog sagte, Netanjahu sei zur politischen Profilierung bereit, "die für so viele Generationen bedeutenden Symbole Israels zu zerstören".

Israels Generalstaatsanwalt Jehuda Weinstein forderte Netanjahu schließlich auf, Eingriffe in die Zusammensetzung der Jury zu unterlassen. Den neuen Berichten zufolge soll der Ministerpräsident beschlossen haben, dass künftig eine eigene Kommission über die Preisrichter entscheiden soll. Netanjahus Veto gegen die Juryanwärter solle zurückgenommen werden.

Der Israel-Preis gilt als höchste Auszeichnung des israelischen Staates. Er wird unter anderem für Verdienste in Kunst, Kultur und Wissenschaft verliehen. Grossman gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern Israels. Er wurde 2010 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Er setzt sich für Frieden mit den Palästinensern ein.