Journalisten sollen nicht über Journalisten schreiben – diese Regel gilt nicht mehr. Schon gar nicht in Tagen wie diesen. Das vergangene Wochenende begann mit der Nachricht vom Tod des japanischen Reporters Kenji Goto, ermordet durch den "Islamischen Staat" (IS). Es endete mit der Nachricht von der Freilassung des Al-Dschasira-Journalisten Peter Greste aus ägyptischer Haft. Entsetzen und Aufatmen innerhalb einiger Stunden.

Wir Reporter sind längst zu unserem eigenen Thema geworden. Klar, die Arbeit in Krisengebieten war auch vor 30 oder 40 Jahren riskant. Aber in aller Regel gerieten Journalisten früher in Gefahr, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Nicht, weil sie selbst Zielscheiben sind. 

Nun kann man – völlig zu Recht – einwenden, dass die einheimischen Kollegen und Kolleginnen der jeweiligen Krisenländer immer schon ein verdammt hohes Berufsrisiko getragen haben. Ein Blick in die Jahresberichte von Reporter ohne Grenzen oder vom Committee to Protect Journalists genügt, um zu sehen, was mit mexikanischen, russischen, kongolesischen oder syrischen Journalisten passiert, die ihren Job ernst nehmen.

Der ist halt "nur" Ägypter

Aber es wäre natürlich gelogen, würde ich behaupten, dass deren Schicksal mich genauso beschäftigt hat wie die Morde an dem Amerikaner James Foley und dem Japaner Kenji Goto oder die Inhaftierung des Australiers Peter Greste.   

Ich war im Nordirak unterwegs, als die Nachricht von der Enthauptung Foleys kam. Sie hat mich geschockt und gelähmt, obwohl ich ihm nie begegnet bin und obwohl ich wusste, dass immer wieder syrische und irakische Kollegen entführt, gefoltert und ermordet wurden. Und werden.

Der Anblick von Greste im Gitterkäfig eines Kairoer Gerichtssaals hat mich mehr erschrocken als der Anblick inhaftierter arabischer Kollegen, obwohl mir klar war, dass die Vorwürfe der "Unterstützung einer terroristischen Vereinigung" gegen sie genauso haltlos waren wie gegen ihn.

Wann immer die Polizisten uns ausländische Journalisten nahe genug an das Gitter heranließen, haben wir die meisten Fragen Greste zugerufen. Und uns allen war klar, dass wir über diesen Schauprozess weit weniger berichtet hätten, wäre da nicht ein weißer Westler unter den Angeklagten gewesen. Einer wie wir. Über seine Mitangeklagten berichteten wir seltener, sie waren "Nebendarsteller". Mohamed Fahmy, der ebenfalls verurteilte Kairoer Bürochef des englischen Kanals von Al-Dschasira, hat zwar neben der ägyptischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft. Aber eben auch einen arabischen Namen. Und den dritten Verurteilten, den Produktionsleiter Baher Mohamed, haben wir meist nur pflichtschuldig erwähnt. Der ist halt "nur" Ägypter.