Bei der Detonation mehrerer Autobomben im Osten Libyens sind offiziellen Angaben zufolge mehr als 30 Menschen getötet worden. Dutzende weitere seien bei dem Attentat in der Stadt Al-Kubba verletzt worden, teilten Rettungskräfte und Polizei mit. Die Bomben explodierten demnach zeitgleich am Hauptsitz der örtlichen Polizei, am Haus des Vorsitzenden des international anerkannten libyschen Parlaments und an einer Tankstelle.

Libyens Parlamentspräsident Aguila Saleh zufolge handelt es sich bei dem Anschlag offenbar um Vergeltung für ägyptische Luftangriffe auf Ziele der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Darna. Die Stadt liegt etwa 30 Kilometer westlich von Al-Kubba und gilt als Hochburg des libyschen IS-Ablegers.

Am Montag startete die ägyptische Luftwaffe Angriffe auf Darna, nachdem IS-Terroristen am Wochenende ein Video veröffentlicht hatten, das die Enthauptung von 21 koptischen Christen aus Ägypten zeigte. Die IS-Miliz hatte in Libyen zuletzt zunehmend Fuß gefasst.

Die Lage in dem nordafrikanischen Land ist seit dem Bürgerkrieg und dem Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 verworren. Seit dem vergangenen Jahr stehen sich zwei Regierungen mit Unterstützung rivalisierender Milizen gegenüber – die international anerkannte Regierung sitzt in Tobruk im Osten Libyens, die islamistisch beeinflusste Gegenregierung in der Hauptstadt Tripolis.

Die anerkannte Regierung hatte zuletzt bei den Vereinten Nationen die Aufhebung des Waffenembargos gegen ihr Land beantragt, damit sie sich gegen Extremisten wehren kann. Diese seien auch nahe an Europa herangerückt, argumentierte Außenminister Mohammed al-Dair. Die USA und Großbritannien, beides Vetomächte im Weltsicherheitsrat, lehnen Waffenlieferungen aber ab und erklärten, das Land brauche zunächst einmal eine Regierung der nationalen Einheit.