Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat einen geplanten Besuch der Münchner Sicherheitskonferenz nach eigenen Angaben abgesagt. Der Grund: anhaltende Spannungen mit Israel. Die angekündigte Anwesenheit eines Vertreters Israels im Saal der Konferenz habe ihn dazu bewogen, seinen Besuch abzusagen, sagte Çavuşoğlu nach einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Entscheidung solle nicht als Affront gegenüber Deutschland gewertet werden, betonte der Minister.

Die Beziehungen zwischen den beiden früheren Verbündeten Türkei und Israel sind seit Jahren angespannt. Nach dem Tod von zehn türkischen Aktivisten beim Sturm israelischer Soldaten auf das türkische Gaza-Hilfsschiff Mavi Marmara im Jahr 2010 wies die Türkei den israelischen Botschafter aus und reduzierte die Beziehungen auf ein Mindestmaß. Trotz einer Entschuldigung Israels, die durch Druck der USA zustandegekommen war, scheiterten alle Bemühungen um eine Wiederannäherung bisher.

Auch in jüngerer Vergangenheit befeuerten Politiker beider Länder die Auseinandersetzungen. Der türkische Premier Ahmet Davutoğlu kritisierte nach Angaben der türkischen Hürriyet die Teilnahme des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Trauermarsch für die Opfer der Pariser Terroranschläge. Netanjahu sei ein Kopf einer Regierung, die spielende Kinder durch Luftangriffe getötet und Tausende Häuser zerstört habe. Sie habe genau wie die Pariser Terroristen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Der israelische Premierminister nannte die Vorwürfe aus der Türkei laut Times of Israel wiederum "beschämend".

Israel hatte zuvor wegen Ausschreitungen vor seinen diplomatischen Vertretungen in der Türkei während des Gaza-Krieges im vergangenen Sommer bereits einen Teil seines Botschaftspersonals abgezogen.