Kämpfer der Islamistengruppe Boko Haram haben nach Angaben von Behörden und Zeugen erstmals den Niger angegriffen. Am heutigen Freitagmorgen hätten die Gefechte in der Stadt Bosso an der Grenze zu Nigeria begonnen, sagte der Gouverneur der Hauptstadt der Region Diffa im Südosten des Landes, Yacouba Soumana Gaoh. Gegen Mittag sei "die Ordnung wiederhergestellt worden".

Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation sagte, Boko Haram habe Bosso vorübergehend eingenommen, bevor die Kämpfer wieder nach Nigeria zurückgedrängt worden seien. Demnach waren Soldaten aus dem Niger sowie dem Tschad im Einsatz gegen die Islamisten. Dagegen erklärte Gouverneur Gaoh, lediglich nigrische Soldaten hätten die Boko-Haram-Kämpfer vertrieben. Die tschadischen Truppen seien außerhalb von Bosso stationiert.

Ein Einwohner von Bosso sagte, "überall in der Stadt" seien Waffen zu hören gewesen. Es habe "so etwas wie eine Jagd durch die Stadt" gegeben. "Wir hörten 'Allahu-Akbar'-Rufe. Wir hörten ein Flugzeug über die Stadt fliegen", berichtete der Zeuge weiter. Aus dem Rathaus und dem Sitz des Präfekten sei Rauch aufgestiegen. Die Stadt hat nach offiziellen Angaben von 2011 gut 52.000 Einwohner.


Der nigerianischen Armee war es bisher nicht gelungen, den Vormarsch von Boko Haram im Nordosten des Landes zu stoppen. Zuletzt drangen die Extremisten auch vermehrt auf kamerunisches Gebiet vor. Kamerun und der Tschad schickten daher Truppen zur Bekämpfung der Rebellengruppe, um eine Ausbreitung des blutigen Konflikts zu verhindern. Bei einem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union wurde am Wochenende die Einrichtung einer 7.500 Mann starken Eingreiftruppe beschlossen.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen.