Der Islam darf nach den Worten von US-Präsident Barack Obama nicht mit Extremismus gleichgesetzt werden. Religion sei nicht für Gewalt und Terrorismus verantwortlich, sagte er am Mittwoch im Weißen Haus. Die Schuld trügen vielmehr Gruppen wie die IS-Miliz. "Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam. Wir sind im Krieg mit den Menschen, die den Islam pervertiert haben", sagte Obama. Zugleich nahm der US-Präsident Muslime in den USA und andernorts in die Pflicht. Sie müssten sich noch deutlicher von brutalen Ideologien und Gewalt distanzieren.

Vor allem junge Muslime seien empfänglich für extremistische Propaganda, die sie zum Beitritt zur Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien oder zu Angriffen im Inland aufhetzen könne. Nach US-Geheimdienstangaben haben bis zu 150 Amerikaner versucht, nach Syrien auszureisen, um dort den IS zu unterstützen. "Wir müssen neue Wege finden, um die Stimmen des Friedens, der Toleranz und der Einbindung zu stärken", sagte Obama, "und wir müssen das besonders online machen".

Der US-Präsident warnte vor einer Verteufelung des Islam. Man müsse unterscheiden zwischen den Extremistengruppen und der "Milliarde Muslime, die deren Ideologie ablehnen", sagte Obama. Zudem wies er darauf hin, dass die IS-Miliz weitaus mehr Muslime als Nichtmuslime töte. Die Welt müsse die Stimmen jener zur Geltung bringen, die für kurze Zeit radikalisiert worden seien und dann "die Wahrheit gesehen" hätten, sagte Obama.

Auch einige Vertreter muslimischer Gemeinden verträten mittlerweile die Auffassung, dass der Islam mit Toleranz und modernem Lebensstil nicht vereinbar sei, sagte Obama. Doch handele es sich bei den Extremisten, die sich als religiöse Führer verkleideten, in Wirklichkeit um Terroristen.

"Wir müssen diese Ideologien diskreditieren"

Mit militärischer Gewalt allein sei das Problem nicht zu lösen. "Wir müssen diese Ideologien diskreditieren", forderte der Präsident. Familie, Freunde, Lehrer und Geistliche müssten der Radikalisierung entgegenwirken. Außerdem müssten die wirtschaftlichen und politischen Probleme angegangen werden, die von Terrorgruppen ausgenutzt würden. Weiterhin gelte es, die Bildung zu verbessern. "Wenn junge Menschen keine Bildung haben, sind sie anfälliger für Verschwörungstheorien und radikale Ideen", sagte der US-Präsident.  

Einen direkten Appell richtete Obama an prominente Muslime in aller Welt. Im gleichen Maße, in dem Staatschefs wie er selbst die Ansicht zurückwiesen, dass der IS wahrhaft den Islam repräsentiere, müssten die Religionsführer verstärkt der Vorstellung entgegentreten, dass westliche Länder den Islam unterdrücken wollten, sagte Obama. 

Gleichwohl räumte er ein, dass viele Muslime in den USA der Polizei und der Regierung misstrauisch gegenüberstünden und sich unfair behandelt fühlten. Dies habe Bemühungen um eine Kooperation zwischen Polizei und muslimischen Gemeinden zurückgeworfen.

Konferenz gegen gewaltsamen Extremismus

Obama äußerte sich bei einem Gipfel gegen gewaltsamen Extremismus. Zu der dreitägigen Konferenz hat das Weiße Haus Polizisten, muslimische Würdenträger sowie Politiker geladen. Im Fokus stehen landesweite und globale Bemühungen gegen den Terrorismus sowie die Frage, wie die Radikalisierung und Rekrutierung junger Menschen verhindert werden kann.

Hintergrund sind jüngste Terroranschläge in westlichen Großstädten wie Ottawa, Sydney und Paris. Nach den Terroranschlägen in der französischen Hauptstadt im vergangenen Monat hatten US-Hardliner der Regierung Obamas vorgeworfen, keine Stellung zur Debatte über eine angebliche Verbindung zwischen dem Islam und Terrorismus zu beziehen und stattdessen der politischen Korrektheit Vorrang zu geben.