Jahrzehntelang galt Oman als ein von allen Seiten geschätzter Vermittler. Unterhändler aus Teheran und Washington bahnten 2003 in Maskat die jetzigen Atomverhandlungen an. Bei heiklen Geiselbefreiungen laufen oft die Fäden in der omanischen Hauptstadt zusammen. Überdies müht sich Oman als Mitglied des Golfkooperationsrates stets um politischen Ausgleich zwischen Iran und den übrigen Monarchien am Golf.

Vielleicht war es ein Segen für das Land im Osten der Arabischen Halbinsel, dass seine Ölvorkommen nicht so üppig sind wie bei den ganz Großen nebenan. Und so nutzte Sultan Qaboos, der sich 1970 an die Macht putschte, seine absolute Autorität und die 5,5 Milliarden Barrel Bodenschätze, um aus seiner ramponierten Heimat mit damals zehn Kilometern geteerter Straße und einem tobenden Bürgerkrieg einen modernen Staat zu formen, dessen Einwohner noch nie zuvor so lange in Frieden gelebt haben.

Heute liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bei 20.000 Dollar pro Jahr. Bei westlichen Touristen gilt die sagenhafte Heimat von Sindbad dem Seefahrer wegen seiner fischreichen Küsten, spektakulären Wüstenregionen und idyllischen Oasen als orientalischer Geheimtipp.

Kurzes Video aus Garmisch-Partenkirchen

Doch diese nahezu reibungslose Entwicklung könnte bald eine Zäsur erleben. Seit sieben Monaten ist der 74-jährige Sultan nicht mehr im Land. Er leidet an Darmkrebs und wird in Deutschland behandelt. Den letzten Nationalfeiertag im November musste Oman erstmals ohne seinen Monarchen feiern, der sich per Vier-Minuten-Video von seiner Residenz in Garmisch-Partenkirchen an seine Landsleute wandte.

Vier Fünftel der 2,8 Millionen Omanis kennen nur Qaboos als Staatschef, der an der britischen Militärakademie in Sandhurst ausgebildet wurde und sich 2001 im Zentrum von Maskat mit der Großen Moschee ein monumentales Denkmal setzte.

Der märchenhaft mächtige Herrscher, der in Personalunion auch Premierminister und Außenminister, Verteidigungsminister und Oberkommandierender der Armee sowie Zentralbankchef und Finanzminister ist, hat weder Brüder noch Nachkommen. Aus der Königsfamilie sind darum seine drei Cousins, die Söhne seines Onkels Tariq bin Taimur, die wichtigsten Thronanwärter: Assad bin Tariq ist Geschäftsmann, Haitham bin Tariq Kulturminister, Shihab bin Tariq war 14 Jahre lang Chef der Marine und lebt im Ruhestand.

Nach omanischer Verfassung muss sich die Königsfamilie innerhalb von drei Tagen nach dem Tod des Sultans auf einen Nachfolger einigen. Kommt es zu keinem Konsens, wird das versiegelte Testament des Verstorbenen geöffnet, in dem Qaboos den neuen Staatschef bestimmt.