Es wurde nicht das Heimspiel, das er sich erhofft hatte. Trotz der kraftvollen Inszenierung, der wehenden ukrainischen Fahne im Hintergrund, trotz der pathetischen Worte.

"Ruhm der Ukraine!" ruft Petro Poroschenko den Kampfruf des Maidan in den Kiewer Abendhimmel, als am Wochenende in Kiew der Opfer des Maidan gedacht wird. Die Institutskaja-Straße, auf der vor einem Jahr die vielen Menschen erschossen worden waren, ist in rotes Licht getaucht. "Kämpft und ihr werdet siegen!" In das Zitat des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko mischten sich allerdings Pfiffe und Buh-Rufe: "Schande! Schande!"

Schwindet die Unterstützung für Poroschenko? Die Revolution hatte vergangenen Mai den Oligarchen ins Präsidentenamt gebracht, mit einem Ergebnis von 54 Prozent im ersten Wahlgang. Jetzt sinken seine Popularitätswerte. Laut der Kiewer R&B-Group ist der Zuspruch für Poroschenko erstmals unter 50 Prozent gefallen. Nur noch 45 Prozent der Ukrainer sind mit der Arbeit des Präsidenten zufrieden. Im September waren es noch 57 Prozent. 46 Prozent der Ukrainer geben an, unzufrieden mit Poroschenko zu sein, im September waren es noch 29 Prozent.

Keine würdevolle Kommunikation

Kein Wunder. Vom neuen Leben, das Poroschenko in seinem Wahlkampf beschworen hatte, spüren die Ukrainer wenig. Im Gegenteil: Die Währung ist im Tiefflug, die Korruption im Alltag ist nicht zurückgegangen. Manche Medien sezieren genüsslich die Top-10 der nicht-erfüllten Wahlversprechen.

Ukraine - Zivilisten leiden in der Ostukraine Zehn Monate zieht sich der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Kiew und prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine schon hin. Etwa 190.000 Zivilisten sind laut einer Schätzung des UN-Welternährungsprogramms (WFP) auf Hilfe angewiesen.

Kaum ein Wahlversprechen ist eingelöst worden. Der Kampf gegen die Korruption ist schleppend, einige Beamte wurden zwar entlassen, aber niemand verurteilt. Die Visumsfreiheit für die EU, die Poroschenko für den 1. Januar 2015 angekündigt hatte, gibt es noch nicht. "Die Politik eilt von einem unerfüllten Versprechen zum nächsten – egal ob es um den Donbass, die Reformen oder die Korruption geht", sagt Balasz Jarabik vom Carnegie Endowment for International Peace. "Die herrschende Elite ist immer noch unfähig, mit der Bevölkerung zu kommunizieren, wie sie es nach den dramatischen Tagen am Maidan verdienen – also ehrlich und würdevoll."

Dass Poroschenko anders als angekündigt seinen Süßwarenkonzern Roschen neun Monate nach Amtsantritt noch nicht verkauft hat, macht die Ukrainer misstrauisch. Es scheint die Überzeugung zu bestätigen, dass Politik in der Ukraine eben doch nur ein Geschäft ist.

Kritik am Oberbefehlshaber

Und dann ist da natürlich der Krieg. "Die Anti-Terror-Operation soll keine Frage von zwei bis drei Monaten, sondern von Stunden sein", hatte Petro Poroschenko bei seinem Amtsantritt gesagt. Aber der Konflikt ist derzeit von einer Lösung weiter entfernt denn je.

Kritik an Poroschenko hatte es zuletzt beim Abzug aus der umkämpften Stadt Debalzewe gegeben. Während der Präsident von einem "geordneten Rückzug" sprach, berichteten ukrainische Soldaten von einem chaotischen Abzug. Doch das Chaos von Debalzewe werde weniger Poroschenko selbst, als dem Generalstab vorgeworfen, sagt Wladimir Fesenko, Direktor am politischen Forschungsinstitut Penta in Kiew. Sein militärisches Waterloo habe Poroschenko im vergangenen Sommer erlebt, als ukrainische Soldaten in Ilowajsk eingekesselt waren. Wie viele Soldaten dabei getötet wurden, ist bis heute nicht geklärt.