In Moskau haben ein Jahr nach dem Machtwechsel in der Ukraine Tausende gegen den prowestlichen Kurs der neuen Regierung in Kiew demonstriert. "In der Maidan-Bewegung konzentriert sich alles Antirussische", sagte eine Rednerin auf einer Bühne in der Nähe des Kreml. Die Proteste auf dem Maidan (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew seien damals vom Westen angestiftet worden und ein "blutiger Totentanz" gewesen. "Niemals" werde es in Russland eine "Farbenrevolution" geben wie in der Ukraine oder in Georgien.

"In diesen Tagen, in denen die Feinde Russlands mobilmachen, müssen wir fest an der Seite des russischen Präsidenten stehen", sagte ein Redner. "Heimat – Putin" und "Russische Krim" skandierte die Menge unter anderem. Zu der Kundgebung für die Unterstützung des Krisengebiets Donbass hatten etwa 150 patriotische Organisationen aufgerufen. Viele Demonstranten schwenkten russische Flaggen und trugen das orange-schwarze Sankt-Georg-Band, das auch die Separatisten in der Ostukraine als Erkennungszeichen nutzen.

Unter den Teilnehmern war auch der ukrainische Politiker Oleg Zarjow, der mit Separatisten auf der Sanktionsliste der EU steht. Das russische Innenministerium schätzte die Zahl der Demonstranten auf etwa 40.000, die Polizei auf 35.000.

Eingeschüchterte Demonstranten?

Kremlkritischen Medien zufolge war in Betrieben und Schulen Druck zu einer Teilnahme ausgeübt worden. Die russische Opposition wertet die Versammlung auch als "Einschüchterungsversuch". Die Bevölkerung solle damit vor den "blutigen Folgen eines Machtwechsels" gewarnt werden.

"Putinismus für immer", stand auf einem Schild, das eine ältere Frau hochhielt. Ein Trupp von Kosaken zeigte ein Plakat mit der Aufschrift "Der Maidan ist eine Krankheit. Wir werden sie behandeln." Auf einem anderen Spruchband stand: "Ami, geh nach Hause – und nimm den Maidan mit." Fernsehberichten zufolge gab es ähnliche Kundgebungen auch in anderen russischen Städten.

In der Anti-Maidan-Bewegung haben sich Biker-Clubs, Kosaken, Sportler und Veteranen der Kriege in Afghanistan und Tschetschenien zusammengeschlossen. Ihr Anführer Nikolai Starikow warnte die prowestliche Opposition, auch in Russland einen Umsturz anzuzetteln. "Versucht es erst gar nicht", sagte er im russischen Fernsehen. "Unternehmt keinerlei Versuche, in Russland für Ärger zu sorgen."

Janukowitsch spricht von Rückkehr

Zeitgleich meldete sich Viktor Janukowitsch zu Wort, der vor genau einem Jahr als Präsident der Ukraine entmachtet worden war und sich im Exil in Russland aufhält. "Sobald sich eine Möglichkeit bietet zurückzukehren, werde ich zurückkehren und alles tun, um das Leben in der Ukraine zu verbessern", sagte er in einem Interview des staatlichen russischen Fernsehens. "Derzeit ist die wichtigste Aufgabe, den Krieg zu beenden." 

Janukowitsch setzte sich vor genau einem Jahr nach Russland ab, nachdem bei den Protesten in Kiew innerhalb von drei Tagen mehr als 100 Demonstranten erschossen worden waren. Die Demonstrationen richteten sich gegen Janukowitsch und dessen prorussischen Kurs. Janukowitsch begründete seine Flucht damit, er habe um sein Leben fürchten müssen.

Wer die Schüsse auf die Demonstranten abgab, ist bis heute nicht geklärt. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sagte am Freitag der Nachrichtenagentur Interfax, es gebe eindeutige Hinweise auf eine "russische Verbindung". Ein Vertrauter von Präsident Wladimir Putin habe ausländische Scharfschützen beauftragt.

Janukowitsch betrachtet seine Absetzung als illegal und spricht genau wie die russische Regierung von einem Putsch. Janukowitsch ist wegen Vorwürfen wie Unterschlagung von Interpol zur weltweiten Fahndung ausgeschrieben. Interfax hatte zuletzt unter Berufung auf russische Regierungskreise gemeldet, Russland werde eine Auslieferung von Janukowitsch ablehnen.

Geplante Gegendemonstration ohne Nawalny

Russland hatte nach den Massenprotesten in Kiew und dem Sturz Janukowitschs die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim annektiert und wird von der ukrainischen Regierung und dem Westen beschuldigt, die Aufständischen in der Ostukraine zu unterstützen.

Die russische Opposition hat für den 1. März eine Massenkundgebung angekündigt. Zu der Demonstration, die sich unter anderem gegen den Konflikt in der Ostukraine richtet, hat der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny aufgerufen. Wahrscheinlich wird er aber nicht selbst daran teilnehmen können, weil er am Donnerstag zu zwei Wochen Haft verurteilt worden war. Das Gericht in Moskau begründete die Entscheidung damit, dass Nawalny eine Versammlung zur Verteilung von Flugblättern mit dem Aufruf zu der Kundgebung am 1. März in einer U-Bahnstation in der Hauptstadt organisiert habe.