Hunderte Menschen, die am vergangenen Samstag in Moskau an den Protesten gegen die ukrainische Regierung teilnahmen, sollen bezahlt worden sein. Das berichtet die regierungskritische Zeitung Nowaja Gaseta in ihrer Ausgabe vom Sonntag. Den Teilnehmern seien demzufolge nach Ende der Demonstration 300 Rubel ausgezahlt worden, umgerechnet etwa 4,25 Euro.

Auf dem Onlineforum Massovki.ru war vergangene Woche eine Nachricht veröffentlicht worden, dass Menschen zwischen 16 und 65 Jahren für eine Demonstration am Samstag gesucht werden. "Wir treffen uns um 11.30 Uhr vor der Teatralnaja", heißt es in der Nachricht. "Bezahlung nach Ende der Veranstaltung: 300 Rubel."

Die russische Journalistin Natascha Sowotowa meldete sich auf die Nachricht. An dem Treffpunkt seien mehr als 200 Personen erschienen, schreibt sie in der Nowaja Gaseta. Ihnen seien Coupons ausgehändigt worden. Nachdem die Veranstaltung beendet worden war, konnten die Demonstranten ihre Coupons gegen 300 Rubel eintauschen. Unklar ist, wer die Menschen bezahlte.

Mehr als 35.000 Menschen hatten am Samstag gegen die ukrainische Regierung demonstriert, darunter Bikerclubs, Kosaken, Sportler und Kriegsveteranen. "In diesen Tagen, in denen die Feinde Russlands mobilmachen, müssen wir fest an der Seite des russischen Präsidenten stehen", sagte ein Redner. "Putinismus für immer", stand auf einem Schild.  

Dass viele Menschen nicht aus Überzeugung und freiem Willen demonstrierten, hatten bereits am Samstag mehrere russische Zeitungen vermutet. In Betrieben und Schulen seien Mitarbeiter und Schüler unter Druck gesetzt worden. Die Opposition nannte die Demonstration einen Einschüchterungsversuch, mit dem die Bürger vor den "blutigen Folgen eines Machtwechsels" gewarnt werden sollen.