Die in der islamischen Welt sehr geachtete Al-Azhar-Universität in Kairo hat die Gewaltakte der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) scharf verurteilt. Der IS sei eine "teuflische" Organisation, die einen Krieg gegen Gott führe, sagte Großmufti Scheich Ahmed al-Tajjib. Ihre Barbarei werde von Gott nicht anerkannt. Man müsse die Terroristen auf gleiche Weise bestrafen. Dazu gehöre auch die "Kreuzigung und das Zerschlagen der Glieder der IS-Terroristen".

Auslöser ist ein am Dienstag veröffentlichtes IS-Video, das mutmaßlich die Verbrennung des jordanischen Piloten Muas al-Kasasba bei lebendigem Leib zeigte. Das Schicksal des 26-Jährigen war eng mit dem zweier japanischer IS-Geiseln verknüpft, die kürzlich von der Miliz getötet worden waren. Für die Freilassung Al-Kasasbas und der japanischen Geisel Kenji Goto hatte der IS von Jordanien gefordert, die irakische Dschihadistin Sadschida al-Rischawi freizulassen. Sie und ein weiterer Extremist wurden am Mittwoch hingerichtet.

Die IS-Terrormiliz hat mit dem Video weltweites Entsetzen ausgelöst. In Jordaniens Hauptstadt Amman demonstrierten viele Menschen vor dem Königspalast. Sie riefen Sprüche wie "Wir werden das Blut unseres Sohnes rächen". Auch das jordanische Militär schwor den Dschihadisten Rache. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher im jordanischen Fernsehen. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde."

Merkel schickt Kondolenz-Telegramm

Gläubige sprachen im ganzen Land in jordanischen Moscheen Gebete für den Piloten, berichtete das jordanische Staatsfernsehen. Kirchen ließen ihre Glocken läuten. Die jordanische Regierung ordnete zudem eine dreitägige Staatstrauer an.

Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenz-Telegramm an König Abdullah: "Mit großem Entsetzen habe ich die furchtbare Nachricht von der Ermordung des jordanischen Piloten vernommen. Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind." UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, der Mord zeige, dass die terroristische Organisation keinerlei Respekt vor dem menschlichen Leben habe.

Der UN-Sicherheitsrat erklärte: "Dieses Verbrechen zeigt erneut die Brutalität des IS, der für Tausende Verbrechen und Misshandlungen gegen Menschen aller Glaubensrichtungen, Ethnien und Nationalitäten verantwortlich ist, ohne Rücksicht auf die Mindeststandards der Menschlichkeit."

Vereinigte Arabische Emirate ziehen sich zurück

Die New York Times berichtet, bereits nach der Verschleppung Al-Kasasbas im Dezember hätten sich die Vereinigten Arabischen Emirate aus der US-geführten internationalen Militärallianz zur Bekämpfung des IS aus der Luft zurückgezogen. Demnach fordern die Emirate von den USA eine bessere Vorsorge für mögliche Rettungsaktionen und eine Stationierung von Osprey-Spezialflugzeugen, die wie Helikopter starten und landen können, direkt im Nordirak und nicht länger in Kuwait.

Der IS hatte seit Juni große Teile des Nordiraks und auch Gebiete im benachbarten Syrien überrannt. Die irakische Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und Stammesmilizen stemmen sich den Dschihadisten entgegen. Unterstützt werden sie von einer internationalen US-geführten Koalition aus westlichen und arabischen Staaten, die IS-Stellungen aus der Luft bombardiert. Deutschland beteiligt sich nicht an den Angriffen, liefert aber Waffen an die Peschmerga und bildet Kämpfer aus.

Im Kampf gegen den IS sind im Irak seit Juni nach offiziellen kurdischen Angaben fast tausend kurdische Peschmerga-Kämpfer getötet worden. Der Generalsekretär des Ministeriums für die Peschmerga, Dschabbar Jawar, sagte, bei den Kämpfen zwischen dem 10. Juni und dem 3. Februar seien zudem 4.569 kurdische Milizionäre verletzt worden.