Die ukrainische Armee hat den prorussischen Separatisten vorgeworfen, trotz der offiziellen Waffenruhe Stellungen der Regierungstruppen anzugreifen. Wegen der anhaltenden Angriffe könne der Abzug von schweren Waffen nicht wie geplant erfolgen, gab Militärsprecher Anatoli Stelmach bekannt. "Solange der Beschuss ukrainischer Stellungen fortgesetzt wird, ist es unmöglich, über einen Rückzug zu sprechen", sagte er.

Ukraine - Zivilisten leiden in der Ostukraine Zehn Monate zieht sich der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Kiew und prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine schon hin. Etwa 190.000 Zivilisten sind laut einer Schätzung des UN-Welternährungsprogramms (WFP) auf Hilfe angewiesen.

Die Regierungseinheiten hätten zwar einen umfassenden Plan für den Abzug erstellt, dieser könne aber erst beginnen, wenn die Separatisten ihre Angriffe entsprechend der Vereinbarung zur Waffenruhe stoppen. "Das Minsker Friedensabkommen spricht klar davon, dass dazu eine Feuerpause eintreten muss. Das ist nicht erfüllt", sagte Stelmach. Der Abzug könne erst starten, wenn die Waffen einen ganzen Tag lang geruht hätten.

Die Armee warf den Separatisten vor, in der Nacht versucht zu haben, ein Dorf vor der von den Regierungstruppen gehaltenen Hafenstadt Mariupol zu stürmen. Sonst seien die ukrainischen Truppen nur zwei Mal angegriffen worden, die Gewalt habe damit erheblich nachgelassen.

Die Aufständischen wiesen die Vorwürfe zurück. Die ukrainische Armee reagiere nur auf "Provokationen", sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin. Für den verzögerten Abzug machte er "logistische Gründe" verantwortlich. "Wir müssen die einzelnen Schritte noch koordinieren. Bisher rechnen wir damit, am 24. Februar mit dem Abzug zu beginnen", sagte Bassurin. Der Rückzug solle bis zum 7. März abgeschlossen sein.

Im Minsker Friedensabkommen war eine Feuerpause ab dem 15. Februar sowie der Abzug schwerer Waffen je nach Reichweite 25 bis 70 Kilometer von den Frontlinien vereinbart, um eine Pufferzone zu errichten. Armee wie Separatisten hatten am Sonntag noch erklärt, zum Abzug der Waffen bereit zu sein. Der Rückzug von der Front im Osten des Landes sollte am Sonntag bereits eingeleitet werden und zwei Wochen dauern. Am Samstag wurden rund 190 Kriegsgefangene ausgetauscht. Auch dies sei ein vereinbarter Punkt aus den Minsker Verhandlungen.

Die seit mittlerweile mehr als eine Woche geltende Waffenruhe wurde allerdings immer wieder verletzt, vor allem durch eine Offensive der Separatisten: Sie nahmen den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Debalzewe ein, woraufhin sich die ukrainische Armee aus der Stadt zurückzog.