In der Ukraine ist der Fernsehjournalist Ruslan Kuzuba inhaftiert worden, weil er sich öffentlich gegen die Einberufung von Zehntausenden Reservisten ausgesprochen hat. Nach Angaben von Kuzubas Frau durchsuchten Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes SBU am Samstag seine Wohnung in der Region Iwano-Frankiwsk und nahmen den Journalisten fest.

Ein SBU-Sprecher bestätigte den Vorgang. Kuzuba werde Hochverrat und Spionage vorgeworfen. Ihm drohten bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft. Ein Gericht verlängerte seine Untersuchungshaft auf 60 Tage.

Kuzuba hatte die geplante Mobilisierung von bis zu 100.000 zusätzlichen Soldaten, mit der die Truppen in der Ostukraine verstärkt werden sollen, in einem YouTube-Video vom 19. Januar kritisiert. "Lieber gehe ich ins Gefängnis, als mich an diesem Bruderkrieg zu beteiligen", erklärte er. "Ich lehne diese Mobilisierung ab und rufe alle mit klarem Verstand dazu auf, sich ebenfalls zu verweigern."

Einen Tag später begann die erste Einberufung von 50.000 Soldaten. Im April und Juni sollen zwei weitere Phasen folgen.

Kuzubas Festnahme sorgte in der Ukraine für Kritik. "Wenn jemand wegen Hochverrats und Spionage angeklagt wird, nur weil er seine Meinung äußert, dann werden wir uns sehr rasch von jener Demokratie entfernen, die wir aufbauen wollen", sagte der Anwalt Andrij Koslow. 

Nach Angaben von örtlichen Medien haben die ukrainischen Behörden mit der Einberufung bisher wenig Erfolg. Allein in Kuzubas westukrainischer Heimatregion sollen 40 Prozent der einberufenen Männer die Ukraine inzwischen verlassen haben. Präsident Petro Poroschenko hatte darum bereits veranlasst, die Ausreisebedingungen für wehrpflichtige Männer zu verschärfen.