Die ukrainische Regierung in Kiew beschuldigt Russland, am Wochenende Hunderte Soldaten und schweres Kriegsgerät in den Osten des Landes gebracht zu haben. 1.500 russische Soldaten hätten demnach die Grenze passiert. Sie hätten militärische Ausrüstung, darunter Raketensysteme, in das Land gebracht, sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko. 

Demnach überquerten die Soldaten mit etwa 300 Rüstungsgegenständen den Teil der Grenze, der von den Separatisten kontrolliert wird. Zu dem Konvoi gehörten laut Lyssenko etwa 170 Fahrzeuge, darunter Lastwagen und Öltankwagen.

Die Ukraine, die EU und die USA werfen Russland vor, die Separatisten seit Monaten mit Soldaten und Ausrüstung zu unterstützen. Zuletzt hatte auch die Nato erklärt, sie hätte ausreichend Informationen darüber, dass Russland die Separatisten mit Waffen versorge. Konkret nannte die Nato-Sprecherin Oana Lungescu Boden-Luft-Raketen und hochmoderne Panzer. "Diese schwere Ausrüstung kann nicht einfach so auf dem offenen Markt in Donezk gekauft werden", sagte sie zu Behauptungen der russischen Regierung, die die Waffenlieferungen dementiert

Chemiefabrik bei Donezk explodiert

Die Gefechte zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten hatten sich in den vergangenen Wochen deutlich verstärkt. Vor allem in und um die von Separatisten kontrollierte Stadt Donezk, in der sich die Kämpfe zuletzt auch in Wohngebiete verlagert hatten. 

Westlich von Donezk schlug am heutigen Montag eine Artilleriegranate in einer Chemiefabrik ein. Aus dem Gebäude sei eine starke Explosion zu hören gewesen, die Fabrik hätte in Flammen gestanden, hieß es von den Separatisten, die die ukrainische Armee für den Angriff verantwortlich machten. Mittlerweile sei das Feuer gelöscht, Gefahr bestehe keine mehr. Ein Sprecher der Separatisten, Eduard Bassurin, sagte, die Detonation sei so gewaltig gewesen, dass sie auch in der Innenstadt von Donezk zu hören war. Todesopfer gab es keine. 

In benachbarten Gebieten unter Kontrolle der Regierung kamen am Sonntag nach Polizeiangaben mindestens sieben Menschen ums Leben. Bei heftigem Beschuss waren in der Nacht zu Montag laut Separatisten zwei Menschen in Donezk getötet worden.

Seit Ausbruch der Kämpfe im April 2014 starben nach UN-Angaben mehr als 5.300 Menschen. Die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine planen für Mittwoch einen Gipfel in der weißrussischen Hauptstadt Minsk, um einen Friedensplan vom September wiederzubeleben. Bis dahin setzt die EU keine neuen Sanktionen in Kraft.