Britische Waffenexperten und Journalisten haben in den vergangenen Monaten Angriffe auf ukrainische Soldaten ausgewertet. Die Ergebnisse könnten bestätigen, was internationale Beobachter, westliche Medien und Politiker Russland seit Monaten vorwerfen: Dass sich das Land auf Seiten der Separatisten aktiv am Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Mehr als 120 Artillerie-Angriffe sollen der Studie zufolge im Sommer 2014 von Russland ausgeführt worden sein.    

DasBellingcat-Team um den Waffenblogger Eliot Higgins wertete für seine Analyse Google-Earth-Satellitenaufnahmen sowie Fotos und Videos aus sozialen Netzwerken aus. Zudem stellten Anwohner der russischen Stadt Gukowo Videos ins Netz, auf denen Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesysteme zu sehen sind und Rauchwolken über der vermuteten Abschussstelle. Die Abschussposition der Raketen müsste den Videos zufolge in der Nähe von Gukowo liegen. Satellitenbilder sollen dies mit Brandflecken und Reifenspuren bestätigen. Es gab offenbar auch keine Spuren, die über die Grenze hinweg in die Ukraine zurückführten. Auch der Guardian vermutet, dass die Fahrzeuge nicht von Separatisten, sondern von russischen Einheiten gefahren wurden.  

Higgins und seine Kollegen werteten auch mehrere Krater aus, anhand derer sie die Flugbahn der Raketen und so die wahrscheinliche Abschussstelle ermittelten. Dabei analysierten sie drei Kriegsschauplätze. Bis auf eine Ausnahme sollen alle Abschüsse aus russischem Gebiet getätigt worden sein.

Auch das Datum würde zu einer russischen Intervention passen. Anfang des Sommers 2014 befand sich das ukrainische Militär auf dem Vormarsch gegen prorussische Separatisten. Die Separatisten standen damals kurz vor der Kapitulation. Doch kurze Zeit später starteten die Separatisten neue Offensiven. Eine russische Unterstützung könnte dieses Erstarken erklären.  

Russland bestreitet, am Krieg teilzunehmen

Russland hatte stets bestritten, im Krieg gegen die Ukraine zu intervenieren. Auch Waffenlieferungen an die Separatisten wurden stets dementiert. Bekannt ist jedoch auch, dass der Kreml Militär zusammenziehen ließ und Raketenwerfer an der Grenze positionierte. Zudem starben mehrere russische Soldaten im Krieg in der Ostukraine. 

Die Bellingcat-Untersuchungen sollen auch Beweise dafür liefern, dass das Flugzeug MH17 mit einem von Russland aus in die Ostukraine verlegten Raketentransporter abgeschossen worden ist. Bei dem Abschuss der Maschine über der Ostukraine waren am 17. Juli 2014 alle 298 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Kritik an "Bellingcat"

In einem Bericht des Guardian kritisiert ein unabhängiger Militärforensiker die Methoden des Bellingcat-Teams. Durch Satellitenaufnahmen könnten keine wissenschaftlichen Aussagen getroffen werden. Dennoch seien die Aufnahmen überzeugend und würden viele Fragen aufwerfen, wird der Experte zitiert.