Die Waffenruhe in der Ukraine ist gebrochen, die umkämpfte Stadt Debalzewe unter Kontrolle der prorussischen Separatisten. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte für diesen Fall angekündigt, das Kriegsrecht ausrufen zu wollen. In einer Erklärung am Nachmittag forderte er aber zunächst die Europäische Union und die Nato auf, die prorussischen Separatisten wegen Verstoßes gegen den vereinbarten Waffenstillstand zu verurteilen. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie der UN-Sicherheitsrat sollten alles für die Umsetzung des Friedensplans tun. Das teilte der Vize-Leiter des Präsidialamts in Kiew, Waleri Tschali, mit.

Kiew wünsche sich einen solchen Schritt, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident François Hollande vergangene Woche in Minsk die Vereinbarungen zwischen den Konfliktparteien eingefädelt hätten, meldeten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Tschali.

Im Weltsicherheitsrat in New York solle noch an diesem Dienstag über einen Resolutionsentwurf abgestimmt werden, der dem Minsker Abkommen Nachdruck verleihen soll, sagte der russische Vize-Außenminister Gennadi Gatilow der Agentur Tass. Russland hatte den Text eingebracht, Deutschland unterstützt die Initiative; die USA und Großbritannien äußerten sich zunächst kritisch.

Die prorussischen Separatisten hatten am Nachmittag die Einnahme des strategisch wichtigen Verkehrsknotenpunkts Debalzewe gemeldet. Die ukrainischen Truppen könnten jetzt nur noch die Waffen niederlegen und sich ergeben, sagte ein Kommandeur der Separatisten im russischen Fernsehen. Die Regierung in Kiew bestätigte die weitgehende Einnahme und teilte mit, die Straßenkämpfe dauerten weiter an.   

Die Gefechte gelten als massiver Verstoß gegen das Friedensabkommen, das in der vergangenen Woche bei Verhandlungen mit Kanzlerin Angela Merkel und Kremlchef Wladimir Putin in der weißrussischen Hauptstadt Minsk geschlossen worden war. Demnach sollten die Konfliktparteien eigentlich ihre schweren Waffen aus dem Donbass abziehen.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich besorgt. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass der ermutigend begonnene Prozess nicht entgleist", sagte er während eines Besuches in Kolumbien.