US-Außenminister John Kerry hat neue Sanktionen als Druckmittel bezeichnet, um Russland zu zwingen, die Rebellen in der Ostukraine nicht mehr zu unterstützen. Kerry sagte dies vor einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Philip Hammond. Das ukrainische Militär hatte zuvor gemeldet, die prorussischen Rebellen zögen vor der strategisch wichtigen Hafenstadt Mariupol Truppen zusammen. Über diese Entwicklung zeigte sich Kerry besonders alarmiert.

Die Kontrolle über Mariupol würde es den Separatisten erlauben, einen Landkorridor von der russischen Grenze bis zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim zu schaffen. Eine Einnahme von Mariupol würde mit großer Wahrscheinlichkeit den in Minsk ausgehandelten Waffenstillstand endgültig zum Scheitern bringen.

"Was um Mariupol geschieht, ist inakzeptabel, deshalb sprechen wir über zusätzliche Sanktionen", sagte Kerry. Er beschuldigte Russland, Landraub zu betreiben, während es zynischerweise von Frieden spreche. "Wir sind nicht bereit, dieses Spiel mitzuspielen", sagte Kerry weiter. Russlands Verhalten "widerspricht allem, was die internationale Gemeinschaft seit dem Zweiten Weltkrieg versucht hat zu erreichen", sagte er. Die USA wüssten sehr wohl, dass Moskau die Separatisten in der Ostukraine unterstütze.

Hammond kritisierte Moskau ebenfalls dafür, den erst vor einer Woche ausgehandelten Waffenstillstand gebrochen zu haben. Über mögliche Maßnahmen seitens seiner Regierung äußerte er sich aber nicht.

Der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko sagte, die Separatisten würden Kämpfer, Waffen und militärische Ausrüstung in die Region Mariupol bringen. Rund um die Uhr würden Truppenbewegungen und Sabotageakte beobachtet. Die Armee sei aber auf einen Angriff vorbereitet. Das Dorf Schyrokyne, das unmittelbar vor Mariupol liegt, sei mit Mörsern beschossen worden. In der Ostukraine seien in den vergangenen 24 Stunden ein Soldat getötet und 40 weitere verletzt worden.

Ukraine bestraft russische Journalisten

Bereits am Freitag hatte das ukrainische Militär mitgeteilt, russische Panzer und Kämpfer hätten unweit von Nowoasowsk südöstlich von Mariupol die Grenze passiert. Separatisten vor Ort wiesen die Angaben als falsch zurück. Sie hielten sich an den von Deutschland, Frankreich, Russland und der Ukraine ausgehandelten Waffenstillstand und hätten gemäß Abkommen auch die schwere Artillerie aus der Gegend um Mariupol zurückgezogen.

Die ukrainische Führung entzog derweil etwa 100 russischen Medien vorerst die Akkreditierung bei Staatsorganen in Kiew und schloss auch 23 Grenzübergänge zu Russland. Ein Sprecher des Kreml kritisierte die Maßnahmen: "Das entspricht nicht dem Selbstverständnis eines modernen demokratischen Staates", sagte Dmitri Peskow.    

Die Waffenruhe in der Ukraine wird auch eine Woche nach Abschluss des Minsker Abkommens nicht eingehalten. Beide Seiten werfen sich gegenseitig Verstöße vor. Debalzewe war am Mittwoch in die Hände der Rebellen gefallen. Die Eroberung erlaubt den Separatisten eine direkte Bahnverbindung zwischen ihren Zentren in Luhansk und Donezk.