Nur Sekunden dauerte es, bis Tausende in Griechenland die einschlägigen Bilder über die sozialen Medien verbreiteten. Eine der heftigsten Karikaturen nahm sich den deutschen Finanzminister vor, allerdings nicht mit der üblichen NS-Symbolik, sondern in der Ikonografie des "Islamischen Staates" (IS).

Man sieht eine verängstigte Comicfigur auf Knien im orangefarbenen Anzug, mit dem mehrfach IS-Geiseln in Videos gezeigt wurden, darauf die Aufschrift: Griechenland. Daneben ein Mann mit schwarzer Maske im Rollstuhl. Durch den Sehschlitz erkennt man die Wolfgang-Schäuble-Brille. Er hält dem Knienden ein Messer an die Kehle.

Das Nein aus Berlin zum Vorschlag der Athener Regierung für eine vorrübergehende Lösung des Schuldenstreits hat in Griechenland Empörung ausgelöst. Dabei hatte sich nur wenige Stunden zuvor ein gegenteiliges Stimmungsbild abgezeichnet. Denn für viele gingen die Zugeständnisse von Finanzminister Yanis Varoufakis schon viel zu weit.

Keiner kann sagen, wir hätten uns nicht bewegt

Der wohl kritischste Punkt: Die Regierung will wieder internationale Reform-Kontrolleure in Athen zulassen, auch wenn sie nicht mehr als Troika bezeichnet werden. Dabei hatte die Syriza-Regierung doch versprochen, dem Fremdregime ein Ende zu setzen. Schon musste sich Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis im Fernsehen rechtfertigen: "Zumindest kann uns keiner vorwerfen, dass wir uns in diesen Verhandlungen nicht bewegt haben."

Unter die Reaktionen mischte sich aber auch Zuversicht, dass nun endlich der Weg für einen Einigung mit Deutschland und den anderen europäischen Partnern frei sei. Die positiven Äußerungen von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und die Einberufung eines neuen Eurogruppentreffens an diesem Freitag in Brüssel wurden erleichtert aufgenommen. Vor allem von konservativer Seite, den früheren Befürwortern des EU-Programms, die es bei aller Tsipras-Euphorie ja gibt, machte sich Genugtuung breit.

Der frühere Ministerpräsident und jetzige Oppositionsführer Antonis Samaras sagte schon am Mittwochabend im Parlament, als die ersten Details bekannt wurden: "Die neue Regierung ist endlich in der Realität angekommen." Es sei zu hoffen, dass jetzt ein Durchbruch in den Verhandlungen erzielt werde.