Die US-Regierung ist auf der einen Seite erleichtert, dass sich die Beziehungen zu Afghanistan normalisiert haben. Auf der anderen Seite räumen Diplomaten ein, man sei enttäuscht von Ghanis bisher geringem Engagement bei der Bekämpfung der Korruption und des Drogenhandels. Von der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen um die politische Einheit seines Landes sei man noch nicht überzeugt.

Die Regierungsbildung im Herbst hatte lange gedauert, schließlich einigten sich Ghani und sein gleich starker Rivale Abdullah doch, die Macht zu teilen, um ein gefährliches Vakuum zu beenden. Bis heute aber sind die Regierungsämter nicht vollständig besetzt – das Ringen um die Macht findet kein Ende. Von Reformen hängen auch bis zu 800 Millionen Dollar für den Wirtschaftsaufbau und die Verbesserung des Finanzsystems ab, die die USA den Afghanen in Aussicht gestellt haben. Den Amerikanern gibt das neuerliche Drängen der Afghanen auf weitere militärische Kooperation ein zusätzliches Druckmittel in die Hand.

Irgendwann wird die US-Armee endgültig abziehen. Präsident Obama ist ohnehin nicht bereit, Zusagen über das Ende seiner letzten Amtszeit hinaus zu geben. Zwar gibt es gerade im Lager der US-Republikaner Warnungen, man dürfe nicht die Fehler aus dem Irak wiederholen und sich zu schnell zurückziehen. Doch bislang sieht es danach aus, dass der Abzug der Soldaten zwar verlangsamt, aber nicht verschoben, schon gar nicht aufgegeben wird. Auch wenn die Afghanen wissen, welche Knöpfe sie drücken müssen, um die drohenden Gefahren aufzuzeigen: "Weil Afghanistan nie wieder eine Ausgangsbasis für Terrorangriffe werden darf, wollen wir weiter mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten", schreiben sie in der Washington Post.

Bei aller Fokussierung auf die Sicherheitslage, bedeutet Stabilität für Afghanistan auch, das zu behalten, was in den vergangenen Jahren erreicht wurde. US-Außenminister John Kerry hat es erfasst, nachdem er Ghani und Abdullah mit Verteidigungsminister Ashton Carter in Camp David getroffen hatte: "Die Lebenserwartung ist um 20 Jahre gestiegen. Die Gesundheitsversorgung ist deutlich verbessert. Die Zahl der Kinder, die zur Schule gehen, ist von 900.000 auf 8 Millionen gestiegen, davon sind 40 Prozent Mädchen."