Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Nigeria müssen am Sonntag in 300 von 150.000 Wahllokalen nachgeholt werden. Grund dafür sind technische Probleme bei der Abstimmung am Samstag, wie die Wahlkommission am Abend mitteilte.

Der Kommissionsvorsitzende Kayode Idowu sagte, in 109 Lokalen hätten die biometrischen Daten der Wähler überhaupt nicht ausgelesen werden können. In den übrigen Wahllokalen gab es ebenfalls Fehlfunktionen bei den Kartenlesegeräten zur Registrierung der Wähler. Unter den betroffenen Gebieten befindet sich auch Lagos, Nigerias größte Stadt am Atlantik.

Zuvor war es während der Wahl zu mehreren Anschlägen gekommen, die mutmaßlich von der Islamistengruppe Boko Haram verübt wurden. Insgesamt wurden dabei mindestens 25 Menschen getötet.

Im Nordosten des Landes wurden zwei Wahllokale angegriffen, hier starben zwei Menschen. Laut Bewohnern und einem Wahlhelfer passierten die Anschläge in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im Bundesstaat Gombe. Dem Wahlhelfer zufolge riefen die Angreifer: "Wir haben euch davor gewarnt, zur Wahl zu gehen!" Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau hatte mit Anschlägen auf die Parlaments- und Präsidentschaftswahl gedroht. Die Islamisten halten den Urnengang für "unislamisch".

Bei einem Autobombenanschlag auf ein Wahllokal in südöstlichen Enugu hingegen wurde niemand verletzt. Unbekannte Hacker legten zeitweise auch die Webseite der Wahlkommission lahm.

Durch einen weiteren Anschlag, mutmaßlich von Boko Haram verübt, sind im nordöstlichen Bundesstaat Borno mindestens 23 Menschen getötet worden. Die militanten Islamisten sollen nach dem Morgengebet in das Dorf Barutai gestürmt sein und das Feuer eröffnet haben, wie der Anwohner Umar Muhammad sagte. Mehrere der Opfer seien geköpft worden, andere seien in ihren Häusern verbrannt, sagte der örtliche Beamte Malam Ibrahim Adamu. Zunächst hatten Anwohner nach dem Überfall in der Nacht zum Samstag von 15 Opfern gesprochen. Von Behördenseite gab es keine Stellungnahme zu dem Angriff.

Duell zwischen Jonathan und Buhari

Rund 360.000 Polizisten sind im Einsatz. In mehreren Städten blieben Wahllokale zunächst geschlossen, weil die Wahlhelfer nicht erschienen sind. Knapp 70 Millionen registrierte Wahlberechtigte waren zu dem Urnengang aufgerufen. Belastbare Ergebnisse werden nicht vor Montag erwartet. 

Wähler mussten sich am Samstagmorgen zunächst in einem der rund 150.000 Wahllokale registrieren lassen, erst am Nachmittag begann die eigentliche Abstimmung. Nigerianer wählen meist nach ethnischer Abstammung und Religionszugehörigkeit. Ungefähr die Hälfte der 178 Millionen Nigerianer sind Muslime und etwa 45 Prozent sind Christen, hauptsächlich im Süden des Landes. 

Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen. Zur Wahl stehen zwar 14 Kandidaten, aber es läuft klar auf ein Duell zwischen Goodluck Jonathan und Muhammadu Buhari hinaus. Sollte keiner die nötige Mehrheit erreichen, wäre in zwei Wochen eine Stichwahl fällig. Bislang war das noch nie nötig. Am Samstag wird auch ein neues Parlament gewählt. 

Jonathan von der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) verspricht Afrikas stärkster Wirtschaftsmacht politische Kontinuität. Buhari von der Partei der Fortschrittlichen (APC) präsentiert sich als Nigerias Retter: Er verspricht, die Korruption einzudämmen und dem Terrorismus von Boko Haram ein Ende zu setzen.

Buharis Niederlage hatte Unruhen im Norden ausgelöst

Buhari war früher Militärchef und von 1983 bis 1985 schon einmal Präsident. Buharis Niederlage bei der Wahl 2011 hatte im muslimischen Norden des Landes Unruhen ausgelöst, bei denen 800 Menschen starben.

Die zurückliegende Amtszeit Jonathans ist geprägt von Korruptionsvorwürfen und dem Aufstand der Islamistenmiliz Boko Haram, die seit fünf Jahren für einen radikalislamischen Staat im Nordosten Nigerias kämpft. Erst vor wenigen Tagen hatte die Miliz erneut Hunderte Menschen entführt und Dutzende getötet. Mit Verweis auf die Sicherheitslage hatte Jonathan die Wahl um sechs Wochen verschoben. Die Opposition um Buhari, der seit einigen Monaten an Unterstützung in der Bevölkerung gewinnt, hatte hingegen erklärt, die Demokratische Volkspartei (PDP) von Jonathan habe die Abstimmungen nur verschoben, weil sie von einer Niederlage ausgehen müsse.

Nigeria ist mit 173 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Seit dem Jahr 2009 tötete Boko Haram bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen. Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram mittlerweile von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt.