Das russische Unterhaus hat eine Schweigeminute für den ermordeten Putin-Kritiker Boris Nemzow abgelehnt. Lediglich zwei Abgeordnete erhoben sich zu Ehren des Ende Februar erschossenen Regierungsgegners. "Nur ich und Waleri Subow sind aufgestanden, sonst niemand", schrieb der Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow auf Twitter.

Gudkow hatte vorgeschlagen, die erste ordentliche Sitzung der Parlamentskammer seit der Tat zu nutzen, um an Nemzow zu erinnern. "Abgesehen davon, dass nicht jeder seine politischen Ansichten teilte, denke ich, dass es aus menschlicher Sicht richtig ist, ihn mit einer Schweigeminute zu ehren", so Gudkow.

Duma-Präsident Sergej Naryschkin lehnte den Vorschlag ab und verwies auf ein Kondolenz-Telegramm, das er der Familie geschickt habe. Auch der nationalistische Abgeordnete Wladimir Schirinowski war dagegen: "Jede Woche stirbt jemand. Sollte die Duma jedes Mal aufstehen?".

Der Förderationsrat, das russische Oberhaus, hatte am 4. März eine Schweigeminute für Nemzow abgehalten.

Hauptverdächtiger hat laut Anwalt ein Alibi

Der 55-Jährige Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke im Zentrum Moskaus erschossen worden. Der frühere Vize-Ministerpräsident war ein entschiedener Kritiker der russischen Regierung und ihrer Ukraine-Politik.

Fünf Tschetschenen wurden inzwischen im Zusammenhang mit der Tat festgenommen. Der Hauptverdächtige gestand nach Darstellung der russischen Justiz eine Beteiligung an dem Mord. Nach Angaben der russischen Menschenrechtskommission erklärte er allerdings später, er habe sein Geständnis unter Folter abgelegt. Nach Angaben seines Anwalts hat er ein Alibi für die Tatzeit.