Trotz Sorge in seinen Nachbarländern hat China eine kräftige Aufrüstung seiner Streitkräfte angekündigt. Die Militärausgaben würden um "etwa zehn Prozent" steigen, kündigte die Sprecherin des Volkskongresses, Fu Ying, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in der Großen Halle des Volkes in der Hauptstadt Peking an. "Für ein großes Land wie China ist es nötig, dass es sich gut verteidigen kann."

Im Haushaltsentwurf des vergangenen Jahres war Chinas Militäretat um 12,2 Prozent auf 808 Milliarden Yuan (heute umgerechnet 115 Milliarden Euro) angewachsen. Das Friedensforschungsinstitut Sipri in Stockholm schätzt die tatsächlichen Ausgaben allerdings um gut die Hälfte höher ein, da viele Posten wie Forschung und Entwicklung auch in anderen Etats auftauchen.

Zwischen 2004 und 2013 sind die Ausgaben in der Volksrepublik nach Schätzungen um 170 Prozent gestiegen. "Wenn man ganz weit zurück bis in die Zeit nach dem Kalten Krieg um 1992 blickt, haben sie sich sogar versiebenfacht", sagte Sam Perlo-Freeman vom Sipri-Institut. Längst hat das Land damit seine Position als weltweite Nummer zwei hinter den USA und vor Russland gefestigt.

"Ihnen ist mehr und mehr bewusst geworden, wie sehr sie hinter den westlichen Ländern hinterherhinken", sagte Perlo-Freeman. "China ist sehr bedacht darauf, zu den USA aufzuschließen oder seine Fähigkeiten zumindest soweit zu erhöhen, dass diese sie nicht beherrschen und in ihrer eigenen Nachbarschaft herumscheuchen können", meinte der Forscher. "Keiner rechnet mit einem Krieg – aber beide Länder sind um ihren Einfluss und ihre Stärke in der Pazifikregion besorgt."

Chinas Vormarsch wiederum versetzt seine Nachbarn in Alarmbereitschaft. "Es herrscht viel Besorgnis über Chinas militärische Macht, besonders in den Ländern, mit denen China in Konflikt steht", sagte Perlo-Freeman. Japan rüste gerade seit der Machtübernahme durch die Rechtskonservativen auf. "Die Regierung ist sehr interessiert daran, Japan als Militärmacht zu etablieren und sich von der pazifistischen Verfassung der Nachkriegszeit wegzubewegen."

Bewusst hangele sich die Höhe der Ausgaben am Wirtschaftsboom entlang, sagte der Forscher. "Die Chinesen haben die offizielle Linie, dass die Modernisierung des Militärs hinter der wirtschaftlichen Entwicklung stehen muss", erklärte Perlo-Freeman. "Sie wollen dem Militär eine hohe Priorität einräumen. Es soll aber keine zunehmende Belastung für die Wirtschaft sein." Die jährlichen Ausgaben betragen deshalb seit über einem Jahrzehnt konstant etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuletzt gab China 2013 nach Sipri-Schätzungen 188,5 Milliarden Dollar für sein Militär aus. Die Volksrepublik habe nicht nur die Gehälter der Soldaten erhöht, sondern investiere vor allem in moderne Informationstechnologien für das Militär an Land, auf dem Wasser und in der Luft.