Die Zahl deutscher Muslime, die in Syrien und im Irak kämpfen oder gekämpft haben, ist auf etwa 650 gestiegen. Dies sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in der ZDF-Sendung Maybrit Illner. Die Ausgereisten seien "ganz klar identifiziert". 200 von ihnen seien auch wieder zurückgekehrt. Der Großteil davon sei traumatisiert und desillusioniert. "Die werden nie wieder Gewalt anwenden." Jedoch stellten "vielleicht 70, vielleicht 40, vielleicht 50" eine besondere Gefahr dar.

Ende 2013 hatte der Verfassungsschutz noch etwa 240 Ausgereiste gezählt. Ende 2014 waren es mehr als 550. Auch in anderen Staaten wie Frankreich oder Belgien steige die Zahl derer, die in die Kampfgebiete ziehen. In Großbritannien ginge die Zahl hingegen aktuell zurück.

Die Zahl der sogenannten Gefährder in Deutschland belaufe sich auf etwa 270 Menschen, stellte ein Sprecher de Maizières später klar. In der Sendung hatte de Maizière von 1.000 Gefährdern gesprochen, das sei ein Versprecher gewesen. Gefährder sind Personen, von denen die Behördern fürchten, dass sie eine schwere Straftat begehen könnten. Die Zurückgereisten fallen nur zum Teil in diese Rubrik.

Nach Informationen des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen sind im Irak und in Syrien 75 aus Deutschland ausgereiste Dschihadisten gestorben. Vor einem Jahr habe die Zahl der Toten bei 20 gelegen. Der Anstieg zeige die brutale Realität des "Islamischen Staats" (IS). "Deutsche Dschihadisten werden von der Terrorgruppe IS regelrecht verheizt", sagte Maaßen.

Anders als früher in dem afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet Waziristan "wird der einzelne Tote nicht mehr als Märtyrer gefeiert, sondern ist nur noch Teil einer namenlosen Kriegsmasse". Waziristan galt vor dem Erstarken des IS als Ziel von gewaltbereiten Islamisten aus Deutschland.

Aktualisierung 6.3.: Der Sprecher des Innenministers Thomas de Maizière hat nach der Sendung klargestellt, dass das Ministerium von 270 Gefährdern ausgeht, nicht wie von de Maizière in der Sendung gesagt von 1.000.