Die Reformliste der griechischen Regierung ist fertig. Während drei enge Mitarbeiter von Finanzminister Yanis Varoufakis die Liste nach Brüssel bringen, sickert die Nachricht aus Regierungskreisen durch, dass Griechenland seine Verpflichtungen nicht erfüllen können werde, sollten die ausstehenden Hilfen nicht bald ausgezahlt werden. Die Reformliste soll am Samstag mit Vertretern der Geldgeber besprochen werden. Entscheidungen werden bei deren Treffen nicht getroffen. Montag soll die Liste offiziell präsentiert werden.  

Die Regierung habe "auf allen Ebenen der Eurozone und auch dem IWF (Internationaler Währungsfonds)" klargemacht, dass Griechenland "seine Schulden nicht mehr ausschließlich aus eigenen Quellen werde zahlen können", hieß es aus Kreisen von Ministerpräsident Alexis Tsipras. Die Kassen Griechenlands könnten demnach schon Mitte April leer sein. Griechenland hofft auf Einnahmen von drei Milliarden Euro, sollten sich die Maßnahmen im Regierungspapier realisieren lassen. Einschnitte sollen dafür weder bei den Löhnen noch bei den Renten vorgenommen werden.

Die Gespräche zwischen Griechenland und den Geldgebern zur Lösung der Schuldenkrise sollen am Wochenende weitergehen. Das verlautete am Abend aus der EU-Kommission. Eine Kommissionssprecherin sagte, die angekündigte Liste der Athener Regierung sei bislang noch nicht in Brüssel eingetroffen.

Bei den Gesprächen auf Expertenebene sollen sich dem Vernehmen nach beide Seiten in den kommenden Tagen auf eine umfangreiche Liste einigen. Die Kontrolleure der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des IWF müssen prüfen, ob die Reformen Griechenland genug Geld einbringen können. Nur dann werden weitere Milliardenhilfen ausgezahlt.

Nikos Filis, der Sprecher der Parlamentsfraktion der regierenden Linkspartei Syriza, sagte, dass die neuen Maßnahmen unter anderem die Vergabe der TV- und Radio-Frequenzen betreffen. Eine weitere Maßnahme sei die elektronische Verbindung der Registrierkassen aller Geschäfte, Restaurants und Bars mit dem Finanzamt. So soll eine Hinterziehung der Mehrwertsteuer bekämpft werden.

Bei den seit 2014 zurückgehaltenen Hilfskrediten handelt es sich um 1,8 Milliarden Euro aus dem verlängerten Hilfsprogramm plus Zinsgewinne der Europäischen Zentralbank (EZB) aus Geschäften mit griechischen Staatsanleihen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Zusammen mit ausstehenden Hilfszahlungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kann Athen auf 7,2 Milliarden Euro hoffen. Um die Hilfszahlungen zu bekommen, muss Griechenland allerdings ein detailliertes Sanierungsprogramm vorlegen.

Euklides Tsakalotos, der stellvertretende griechische Außenminister für Wirtschaftsbeziehungen, sprach von einem Bruch mit den Geldgebern, sollten die laufenden Verhandlungen nicht erfolgreich abgeschlossen werden.