Die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" setzt die Zerstörung von antiken Stätten im Irak fort. Die Reste der über 2.000 Jahre alten Stadt Hatra im Norden des Landes seien dem Erdboden gleichgemacht worden, teilte das Ministerium für Tourismus und Antike mit.

Entsprechende Berichte habe man von Mitarbeitern aus der Islamisten-Hochburg Mossul erhalten, sagte ein Mitarbeiter. Es sei allerdings schwierig, die Angaben zu überprüfen. Man habe kein Video oder Bilder aus der Stadt. Ein Bewohner der Region sagte jedoch, er habe am Samstagmorgen eine mächtige Explosion gehört. Andere hätten ihm berichtet, größere Gebäude in Hatra würden eingerissen und weitere mit Bulldozern zerstört. Hatra steht als Weltkulturerbe auf der Unesco-Liste. Es ist vor allem für seine gut erhaltenen Tempel aus der Zeit des Partherreichs bekannt. 

Ein kurdischer Beamter in Mossul, Said Mamusini, sagte, die Plünderung der Kulturschätze in Hatra habe bereits am Donnerstag begonnen. Am Samstag hätten die Extremisten mit der Zerstörung des antiken Ortes begonnen.

Viele Archäologen hatten seit Langem vor der Zerstörung Hatras durch den IS gewarnt – so etwa der irakische Wissenschaftler Abdul Amir Hamdani und die irakisch-amerikanische Altertumsforscherin Zaineb Bahrani, die an der Columbia University in New York lehrt. Sie gehen davon aus, dass der IS bevorzugt Kulturgüter zerstört, die zu groß sind, um sie ins Ausland zu transportieren. Der IS finanziert sich zum Teil mit dem Schmuggel von Kunstobjekten.    

Mossul, Nimrud, Hatra

Erst in dieser Woche waren die Ausgrabungsstätten der jahrtausendealten assyrischen Stadt Nimrud Ziel der Miliz geworden. Die Extremisten plünderten die Denkmäler und zerstörten sie anschließend. Nimrud wurde um 1250 vor Christus erbaut. Viele der bedeutendsten Kulturgüter Nimruds waren bereits vor Jahren von Archäologen in Sicherheit gebracht worden. Zerstört wurden jedoch die Ruinen der antiken Stadt. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das als Kriegsverbrechen bezeichnet. Der irakische Minister für Tourismus und Altertümer, Adel Schirschab, hatte bereits befürchtet, dass Hatra dasselbe Schicksal wie Nimrud erleiden werde.

Hatra war in der Antike die stark befestigte Hauptstadt eines mesopotamischen Kleinfürstentums im Partherreich. Da dort sehr viele Denkmäler aus dieser Zeit erhalten sind, wurde die Stätte 1985 zum Weltkulturerbe erklärt. Es ist eine von vier Weltkulturerbestätten im Irak.

Erst jüngst zeigte ein Video, wie IS-Kämpfer Kulturgüter eines Museums in Mossul zerstörten. Die Kämpfer des IS berufen sich darin auf den Propheten Mohammed, der Götzenstatuen zerstört habe.   

Einen militärischen Rückschlag erlebte der IS derweil im Westen des Landes. Wie das US-Militär mitteilte, vertrieben Iraks Streitkräfte am Freitagabend die Extremisten aus der Stadt Al-Bagdadi rund 120 Kilometer westlich der Hauptstadt Bagdad. Unterstützt wurden sie demnach von Stammeskämpfern aus der westlichen Provinz Anbar und Luftangriffen der Anti-IS-Allianz. Seit Tagen setzen die irakischen Streitkräfte die Miliz zudem in einer Großoffensive auf die Stadt Tikrit unter Druck.