Die irakische Regierung hat die Rückeroberung Tikrits abgebrochen. Innenminister Mohammed al-Ghabban stoppte die Offensive auf die Stadt in der zentralen Provinz Salaheddin, die seit neun Monaten unter Kontrolle der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ist. Al-Ghabban sagte, die Zahl der Verluste müsse begrenzt und Straßen und Gebäude geschützt werden.

Ein Sprecher der Schiiten-Miliz Asaib Ahl al-Hak bestätigte: "Die Schlacht um die Rückeroberung wird schwierig." Die schiitischen Kämpfer unterstützen die irakische Armee bei der Offensive auf Tikrit. Zuletzt konnten die Truppen nicht mehr weiter ins Stadtzentrum vorrücken, weil der IS zahllose Sprengfallen aufgestellt habe, sagte der Sprecher. "Es gibt überall Sprengsätze": in Gebäuden, an Brücken und auf Straßen.

Noch am Wochenende hatte es von beteiligten Kämpfern geheißen, bis Dienstag könnten die Dschihadisten aus dem Zentrum vertrieben sein. Dabei hatte sich die Niederlage bereits abgezeichnet: Mehrfach kam die Offensive in den vergangenen Tagen ins Stocken, am Montagabend gelang es dann Kämpfern des IS, nördlich der Stadt einen Teil der Versorgungsroute der Armee unter Kontrolle zu bringen. Die irakischen Soldaten hatten sich daraufhin zurückgezogen.

Tikrit ist der Heimatort des früheren Langzeitherrschers Saddam Hussein und ist ein strategisch wichtiger Ort. Er liegt an einer Verbindungsstraße zwischen Bagdad und Mossul im Norden des Iraks. Für die Rückeroberung der Stadt hatte die Regierung in Bagdad  am 2. März die bislang größte Offensive gegen den IS gestartet. 30.000 Soldaten wurden für den Angriff mobilisiert. Nach US-Angaben gehören zwei Drittel der Kämpfer zu den Schiitenmilizen, die mit dem ebenfalls schiitischen Iran verbunden sind. 

Iran soll Waffen an Irak liefern

Die USA und ihre Verbündeten sind nicht an der Offensive beteiligt, obwohl sie regelmäßig IS-Stellungen in anderen Teilen des Iraks bombardieren. Unter irakischen und schiitischen Einheiten ist aber umstritten, ob eine Unterstützung der USA nicht doch notwendig ist. Während ein Sprecher der Schiitenmilizen der arabischen Tageszeitung Al-Hayat sagte, eine Beteiligung der von den USA angeführten internationalen Koalition sei nicht notwendig, widersprach der irakische General Abdelwahab al-Saadi: Iraks Streitkräfte benötigten die Hilfe, da die US-Armee die Technik besitze, um IS-Ziele identifizieren zu können.

Auch der Iran soll mittlerweile direkt Einfluss nehmen auf die Kampfhandlungen. Einem Bericht der New York Times zufolge liefert das Regime in Teheran Waffen an den Irak. Die Zeitung beruft sich dabei auf drei nicht namentlich genannte Vertreter der US-Regierung in Washington. Geliefert wurden offensichtlich hoch entwickelte Raketen. Aufgefallen sei dies zunächst bei der Analyse von Luftbildern von Truppenbewegungen. Zum Einsatz seien die besagten Waffen bislang jedoch noch nicht gekommen, hieß es weiter. Die US-Regierung sei besorgt, dass dies die Spannungen in der Region anheizen könnte.