Extremisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) haben nach irakischen Angaben eine archäologische Stätte nahe der Stadt Mossul im Norden des Landes dem Erdboden gleichgemacht. Dabei hätten die IS-Kämpfer Planierraupen eingesetzt, teilte das irakische Ministerium für Tourismus und Altertümer mit. Nähere Angaben zum Ausmaß der Schäden in der Stätte Nimrud wurden nicht gemacht. 

In der Erklärung heißt es, der "Islamische Staat" fahre damit fort, "dem Willen der Welt und den Gefühlen der Menschheit" zu trotzen. Demnach wurden auch Lastwagen vor Ort gesichtet, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet wurden. Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren.

Nimrud war einst die zweite Hauptstadt Assyriens, einem antiken Königreich, dessen Blütezeit etwa 900 Jahre vor Christus begann. 612 vor Christus wurde die Stadt zerstört. "Sie wird in der Tat als Wiege der westlichen Zivilisation bezeichnet, deshalb ist dieser Verlust so niederschmetternd", sagte Suzanne Bott, die an der Universität von Arizona als Projektleiterin für den Erhalt des Kulturerbes im Irak und in Afghanistan arbeitet. Nimrud liegt am Fluss Tigris, 30 Kilometer südöstlich von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Iraks.

Anhänger der Terrorgruppe – die jeweils ein Drittel des Iraks und Syriens kontrolliert – haben bereits andere archäologische und religiöse Stätten angegriffen, die in ihren Augen einen Abfall vom Glauben fördern. In der vergangenen Woche war ein Video auf Extremisten-Websites aufgetaucht, das zeigt, wie IS-Kämpfer mit Vorschlaghämmern antike Artefakte im Museum von Mossul zerstören. Dies hatte weltweit Empörung hervorgerufen.

Gemäß der extremen Interpretation des Islam der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe. Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres weite Landesteile im Irak und in Syrien erobert.

Der irakische Archäologe Abdulamir Hamdani von der Stony Brook University in New York befürchtet, dass der IS die antike Stadt Hatra als Nächstes zerstören wird. Hatra liegt hundert Kilometer von Mossul entfernt und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.