Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat nach Informationen der Vereinten Nationen auch in Afghanistan Fuß gefasst. "Wir beobachten, dass der IS sich in Afghanistan festzusetzen beginnt", sagte der Afghanistan-Sonderbeauftragte Nicholas Haysom am Montag vor dem UN-Sicherheitsrat. Russland äußerte dieselben Befürchtungen und forderte den Rat auf, die Expansion der Terroristen zu stoppen. Der Weltsicherheitsrat votierte einstimmig für eine Ausweitung des UN-Einsatzes in Afghanistan bis zum 17. März 2016.

Der IS habe nach Einschätzung der afghanischen UN-Mission zwar keine "festen Wurzeln" in dem Land geschlagen, sagte Haysom. Die Terrormiliz habe aber das Potenzial, "einen alternativen Flaggenmast anzubieten, an dem sich ansonsten isolierte aufständische Splittergruppen versammeln können".

Der stellvertretende UN-Botschafter Russlands, Wladimir Safrankow, sagte, Moskau sei besorgt über das Aufkommen der terroristischen Bedrohung in Afghanistan sowie die geografische Ausweitung des IS, der "einen radikalen Islam verbreitet". Das Land von Präsident Wladimir Putin sei vor allem wegen "der verschlimmerten Situation im Norden von Afghanistan" beunruhigt. Dort grenzt das Land an frühere Sowjetrepubliken.

Kabul sieht in den Taliban weiter den "Hauptfeind"

Der afghanische UN-Botschafter Sahir Tanin bestätigte, dass es Berichte über die IS-Gruppe gebe, die in weitere Regionen eindringe. "Der Hauptfeind, dem wir begegnen, sind aber die Taliban, die weiterhin gegen uns kämpfen", sagte Tanin. Er fügte hinzu, dass es "einige Splittergruppen mit extremeren Ausrichtungen" in seinem Land geben dürfte.

Die Ausweitung der Resolution um ein Jahr ermöglicht es der internationalen Gemeinschaft, das Vorgehen gegen die Taliban, das Terrornetzwerk Al-Kaida, andere extremistische Gruppierungen und Drogenhändler fortzusetzen. Der IS wird in dem Beschluss jedoch nicht wörtlich angeführt.

Die afghanische Armee meldete am Montag die Tötung von IS-Verbündeten. Der frühere Taliban-Kommandeur Hafis Wahidi sei zusammen mit neun seiner Anhänger in Kämpfen mit Regierungssoldaten in der Provinz Helmand gefallen, teilte das Verteidigungsministerium in Kabul mit. Erst im Februar war Wahidis Onkel bei einem Drohnenangriff getötet worden. Auch er hatte sich mit dem IS verbündet.